Welches Unternehmen wählen für nachhaltige Geldanlagen?

Nachhaltige Geldanlagen: Aktien – wie finde ich nachhaltige Unternehmen? #2

6. Dez 2018

Sein Geld in Aktien anzulegen ist eine Klasse für sich. Erstens ist die Auswahl riesengroß. Nach Schätzungen der Weltbank sind über 43.000 (2017) Unternehmen an einer öffentlichen Börse weltweit gelistet. Und zweitens sind viele Finanzkennzahlen und Daten vor einem Investment abzuklopfen. Zum Beispiel Geschäftsmodell, Marke, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Eigenkapital, Dividendenrendite, Kursentwicklung, Innovationen und und und.

Und dann noch die Schippe Umwelt, Ethik, Soziales oben drauf für nachhaltige Geldanlagen?

Ich fände das durchaus konsequent, wenn Nachhaltigkeit ein Kriterium der persönlichen Geldanlage werden soll. Denn bei der bewussten Entscheidung für Aktien als nachhaltige Geldanlagen haben wir als private Anleger’innen die größte Gewissheit, von welchen Unternehmen wir finanziell profitieren.

Ich habe darüber mit dem Kapitalmarkt-Strategen Christian W. Röhl von Dividendenadel.de gesprochen. Unser Interview ist der Abschluss des Artikels.

→ Die weiteren Teile meiner Serie zu Nachhaltigen Geldanlagen finden Sie hier:
Grundsätzliche Gedanken #1
Nachhaltige ETF – Augen auf und einlesen #3
Nachhaltig Geld anlegen – Zukunft oder Modethema #4

Wo suchen nach nachhaltigen Unternehmen?

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Und viele Wege führen zu Unternehmen, die ihr Wirtschaftshandeln an den globalen SEG-Kriterien und den 17 UN-Nachhaltigkeits-Zielen orientieren bzw. ausrichten.

Also die Umwelt schonen, Mitarbeiter und soziale Belange beachten und ihr Unternehmen gesetzeskonform führen. Und deren Aktien an globalen Börse gekauft werden können.

Die 17 UN Nachhaltigkeits-Ziele:

nachhaltige Geldanlagen folgen diesen 10 UN-Entwicklungs-Zielen @UN

Diese 4 pragmatischen Wege bieten sich an, um Unternehmen als nachhaltige Geldanlagen zu finden:

1. Nachhaltigkeits-Indizes

Indizes fassen börsennotierte Unternehmen zusammen, die der jeweilige Anbieter des Index als nachhaltig einordnet. Einordnet im Sinne seiner Kriterien. Die werden in der Regel aber transparent dargestellt.

Und vom Index ist es dann nicht weit zum einzelnen Unternehmen.

Beispiele:

+ Natur-Aktien-Index der Securvita GmbH in Lübeck.
In diesem Index finden sich 30 internationale Firmen wie der Heimwerkermarkt Kingfischer, Vestas Windturbinen und Ricoh Büromaschinentechnik.

+ US-Index Nasdaq Clean Edge Green Energie. Hier stehen Namen wie Demiconductor, Tesla, Canadien Solar. Vom Index geht es meist einfach per Verlinkung direkt in den Chart des jeweiligen Wertes.

+ Global Challenge Index, der GCX, der Deutsche Börse AG, mit 50 internationalen Konzernen, ausgesucht nach 7 globalen Herausforderungen

+ Klimaschutz-Baustelle

+ Datenbank auf nachhaltiges-investment.org des Sustainable Business Insitutes SBI.
SBI listet Unternehmen auf, die irgendwo auf der Welt in einem nachhaltigen Aktienindex auftauchen. Darunter: Deutsche Bank, BMW, Audi und Volkswagen. (???)

An der Aktiendatenbank des SBI zeigt sich sehr gut die Schwäche von so genannten nachhaltigen Geldanlagen. Welche Unternehmen werden als „nachhaltig“ eingestuft und von wem?

Dass die Deutsche Bank AG ein nachhaltiges Unternehmen sein soll, ist absurd. Die Bank ist in alle Finanzbetrügereien der vergangenen 20 Jahre verwickelt. Allein das ist jenseits guter Unternehmensführung, mal abgesehen von Nahrungsspekulationen etc. Die Bank ist nur deshalb als „nachhaltiges“ Unternehmen nach Definition der Seitenbetreiber eingestuft, weil es den

deutschen Nachhaltigkeitskodex ()

erfüllt. Um diesen zu erfüllen, beschreiben die Unternehmen in einer Entsprechungserklärung anhand von 20 Kriterien, was sie für gute Unternehmensführung, Ökologie und Soziales tun. Beschreiben. Und wozu sie nichts haben, schreiben sie nichts.

Die Deutsche Bank bringt das auf einer Seite unter, intransparent und auf die Schnelle nicht nachvollziehbar. Auch die „Nachhaltigkeitsberichte“ der Bank sind eher ein Gruß der Marketing-Abteilung als gelebte Unternehmenskultur.

 

2. Spicken bei der Konkurrenz: aktiv gemanagte Nachhaltigkeits-Aktienfonds

Warum nicht bei Profiinvestoren vorbeisehen? Also Banken oder Vermögensverwaltern?

Dort scannen Spezialisten Unternehmen nach sozialen und ökologischen Aspekten sowie guter Unternehmensführung. Zwar macht das jede Bank und jeder Fondsanbieter letztlich nach eigenen Standards orientiert an den SEG-Kriterien und UN-Zielen.

Als Vorauswahl für eigene Ansprüche und Kriterien eignen sich nachhaltige Aktienfonds aber prima.

Um die einzelnen Unternehmen im jeweiligen Fonds zu finden, sind nur ein paar Klicks nötig.

Ziel der Suche: die Jahresberichte.

Beispiel: der Klassiker unter den Nachhaltigkeitsfonds Ökovision (WKN: 974968)

  1. Gehen Sie auf die Finanzwebsite Ihrer Wahl und suchen Sie nach der Wertpapierkennnummer WKN von Ökovision.
  2. Die WAI, die Wesentlichen Anlegerinformationen, helfen zwar nicht weiter, lohnen dennoch einen Blick zum Risikoprofil des Fonds.
  3. Halten Sie jetzt Ausschau im Profil von Ökovision nach dem Jahresbericht.
  4. Im Jahresbericht 2017 beispielsweise ab Seite 14 stehen alle „Anlagen im Überblick„.
    Jede Fondsgesellschaft schreibt das etwas anders. Manche listen es als „Wertpapiere“ auf, andere als „Engagement“.

So können Sie bei allen Nachhaltigkeits-Aktienfonds verfahren. Dann haben sie die Unternehmen auf einen Blick. Damit können Sie weiter recherchieren. Und herausfinden, ob das auch Ihre Unternehmen sein könnten für Ihre ganz persönliche, nachhaltige Geldanlagen.

Listen mit nachhaltigen Fonds und Aktien
+ beim Forum Nachhaltige Geldanlagen, ein Zusammenschluss von Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltern, Finanzberatern, NGS
+ bei Utopia.de: 10 nachhaltige Aktienfonds
+ bei der GLS-Bank
+ Verbraucherzentrale: Liste ethisch-ökologischer Aktienfonds
+ Umwelt Bank

Sie haben weitere Listen mit Aktienfonds? Schreiben Sie diese unbedingt in die Kommentare. Danke!

 

3. Nachhaltigkeitsberichte

Bei börsennotierten Unternehmen gehört es dazu, neben einem Geschäfts-, Lage- und Risikobericht auch einen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen. Darin werden die Themen Ökonomie, Ökologie und Soziales bezogen auf die Entwicklung des Unternehmen dargestellt.

Anhaltspunkte für die Berichte sind die Richtlinien der Global Reporting Initiative GRI.

Allerdings muss hier gründlich gelesen werden.

Nachhaltigkeitsberichte bedeuten nicht, dass Unternehmen wirklich Ressourcen schonend, ethisch und sozial arbeiten. Sie sind Teil der Unternehmenskommunikation und werden oft von der Marketing-Abteilung verantwortet. Und die ist naturgemäß auf positiv und Supertruper getrimmt, nicht auf kritische Auseinandersetzung oder gar Veränderung des Geschäftsmodells und der Unternehmenskultur. Siehe Deutsche Bank und ihre Nachhaltigkeitsberichte. Schöne Worte, nicht viel dahinter.

Ranking Nachhaltigkeitsberichte

 

4. Webseiten über nachhaltiges Investieren 

Durch das Internet lässt sich prima stöbern auf der Suche nach börsennotierten Firmen, die das mit dem ganzheitlichen Wirtschaften umsetzen – und sich somit als nachhaltige Geldanlage eignen. Viele englischsprachige Seiten sind Fundgruben. Und können einen auf ganz andere Gedanken bringen.

Wie diese von: Green Chips Stockks, auf der es um ziemlich grüne Investments geht – z.B: in Cannabis-Aktien.

 

Geldfrau-Fazit – nachhaltige Geldanlage #Aktien

Was auffällt bei einer Recherche zu nachhaltigen, börsennotierten Unternehmen für die aktive Geldanlage: Es gibt wenig Informationen dazu. Dafür zahlreiche Artikel und Interviews zu nachhaltig orientierten Aktien- und Anleihefonds, Beteiligungen an Wäldern und Energiekraftanlagen, … Auch fehlen auf einschlägigen Seiten von Nachhaltigkeitsinstituten und -ratingagenturen Erklärungen für Investments direkt in Aktien.

Mich wundert das nicht.

Hinter vielen der sich als nachhaltig gebenden Institutionen, Vereinen und Initiativen stehen Banken, Vermögensverwalter, Anlageberater. Die suchen händeringend nach neuen Geschäftsfeldern. Aktiv von einem Management zusammengestellte Aktienfonds sind so ein Geschäftsfeld.

Aus diesem Grund sind gerade ETFs so beliebt geworden. Hinter ihnen steht kein teures Management, das sich Gebühren von 2% aufwärts im Jahr aus dem Fonds genehmigt. Zusätzlich zu anderen Gebühren.

(Generell gibt es einige andere Nachteile bei der Geldanlage in Aktien einzelner Unternehmen, dem so genannten Stock-Picking. Auf die gehe ich in diesem Artikel aber nicht ein.)

Mein Fazit zum Investieren in Aktien nachhaltig arbeitender, börsennotierter Aktiengesellschaften:

Vorteile
  • Wer routiniert in der Auswahl von börsennotierten Unternehmen für die Geldanlage ist kann gut als nächsten Schritt das Auswahl-Kriterium „ethisch, ökologisch, nachhaltig“ dazu nehmen.
  • Mit der Auswahl von Einzelunternehmen, die man selbst als nachhaltig ansieht, hat man die größte Kontrolle über das eigene Investment.
  • Sie können sich Ihren eigenen, nachhaltigen Aktienfonds im Depot zusammenstellen. Nach Ihren Kriterien.

 

Nachteile
  • Börsennotierte Unternehmen zu scannen und die zu finden, deren Geschäftsmodell ökologisch und nachhaltig ausgelegt ist und die sich auch wirklich daran halten (!) bedeutet viel Aufwand.
  • Selbst, wenn ein Unternehmen nachhaltig arbeitet, ist unsicher, ob auch alle zuliefernden Firmen ihr Geschäft nachhaltig betreiben.
  • Die Gefahr steigt deutlich, einseitig investiert zu sein und damit sein Verlustrisiko drastisch zu erhöhen. Zum Beispiel, wenn schwerpunktmäßig in nur wenige Branchen investiert wird wie Erneuerbare Energieformen oder Landwirtschaft. Stichwort Klumpenrisiko.

 

Dass es sich finanziell lohnt, mit Natur, Umwelt und Mensch rücksichtsvoll zu wirtschaften, belegt u.a. eine Metastudie der Universität Oxford von 2015. Ergebnis: Werden Nachhaltigkeitskriterien wie die ESG berücksichtigt, wirkt sich das positiv auf die Wirtschaftskraft des Unternehmens aus. Die Kapitalkosten sinken, die Gewinne steigen und damit die Aktienkurse. Nicht bei allen untersuchten Aktiengesellschaften, aber in 80-90% der Fälle.

 

Nachhaltigkeit bei Aktien? Nicht im Spaßdepot

Über nachhaltige Geldanlagen als Investment in einzelne Aktien habe ich beim Kapitalgipfel 2018 mit dem versierten Investor Christian W. Röhl gesprochen. Er betreibt sehr erfolgreich u.a. Dividendenadel.de

Christian ist seit 20 Jahren investiert und hält Aktien von über 100 Unternehmen. Demut vor den Märkten ist seine Einstellung. Weil alles möglich ist und niemand weiß, wo die Kurse hingehen, wie es politisch und wirtschaftlich weitergeht.

Wie Christian Aktien prüft, worauf er Wert legt und welche Rolle Nachhaltigkeit bei seinen Aktieninvestments spielt – das verrät er im Interview. Und: Er stellt einige Aktien aus seinem Spaßdepot vor :).

 

Weitere Quellen zum Nachschlagen

+ Öko-Invest
+ Morningstar: Mythen und Fakten über nachhaltiges Investieren
+ Metastudie: From Stockholder to stakeholder – How Sustainability can drive financial outperformance

 

Geldfrau-Serie: Nachhaltig Investieren

In meiner mehrteiligen Serie zum Thema „Nachhaltig Investieren“ sind bisher diese 3 Artikel erschienen. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit nachhaltigen Geldanlagen in die Kommentare schreiben. Da lernen wir alle viel dazu.

Grundsätzliche Gedanken #1
Aktien – nachhaltige Unternehmen finden #2
Nachhaltige ETF – Augen auf und einlesen #3
Nachhaltig Geld anlegen – Zukunft oder Modethema #4

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Das sagen Sie dazu

Klaas

Die Transparenz muss auf jeden Fall noch erhöht werden. Einheitliche klar verständliche Richtlinien wären auch von Vorteil. Sonst befürchte ich werden Anleger mit dem Begriff Nachhaltigkeit beworben ohne das sie überhaupt wissen ob der Fond jetzt wirklich die Werte vertritt die sie sich Vorgestellt haben.

    Geldfrau

    Darin sehe ich auch noch großen Handlungsbedarf. Hoffe aber, dass wir Anleger’innen es schaffen, hier Druck auszuüben. Und mit mehr Finanzbildung fallen wir nicht auf Lockangebote im Sinne der Nachhaltigkeit herein. Danke für den Hinweis.

Oliver Ginsberg

Liebe Dani,
Glückwunsch zu deinem informativen und auch unterhaltsamen Internetauftritt. Warum du Leuten wie Christian Röhl, die sich selbst damit brüsten seit vielen Jahren in Rüstungsunternehmen „engagiert“ zu sein, ein Forum gibst ist mir zwar nicht wirklich nachvollziehbar, aber abgesehen von einzelnen Schwachstellen (zum Beispiel die ETF-Lastigkeit und die Wiederholung des längst widerlegten Mythos, dass Ausschlüsse automatisch zu einem höheren Risiko führen – siehe auch Kommentar von Prof. Söhnholz) finde ich die Artikel und Interviews sehr informativ.

Würde mich freuen, dich persönlich kennen zu lernen, wenn du mal zufällig in Berlin bist. Einstweilen herzliche Grüße.
Oliver

    Geldfrau

    Moin Oliver,
    danke für Kritik und Lob! Christian ist ein greifbarer Investor. Von ihm lässt sich in vielen Richtungen etwas mitnehmen, auch beispielsweise die Resonanz, sich gegen Investments zu positionieren – anders als er. Kontroverses Verhalten fordert heraus und lässt die eigene Ansicht schärfen oder revidieren.
    Zur ETF-Lastigkeit. Aktiv gemanagte Ökofonds habe ich in dieser Serie idT. nicht näher beleuchtet, nur angerissen. Denen gerecht zu werden müssten nochmal 4 Serienteile her … 🙂 Vielleicht setze ich die Serie später noch fort.
    Beste Grüße zurück – Dani

Kristina

Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag! Das macht unsere Recherche sehr viel leichter und effizienter ?

Bianca

Liebe Geldfrau,
sehr herzlichen Dank für die vielen Informationen, die mir die Welt der nachhaltigen Investition sehr viel durchschaubarer macht. Eine weitere Anbieterin für nachhaltige Fondsprodukte ist die Triodos-Bank. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das von der Anzahl her genug Fonds sind, dass es als „Liste“ im obigen Sinne durchgeht.
Beste Grüße!

    Geldfrau

    Triodos ist ohnehin ein Wort wert. Deshalb: Danke Bianca, für Deinen Kommentar.


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