Frauen - ran an die eigenen Finanzen, mit dem Finanzplaner Frauen

Kompetent aber klischeehaft: Der Finanzplaner Frauen von Finanztest

22. Apr 2018

Die Stiftung Finanztest hat jetzt auch die Frauen entdeckt. Einen ganzen Finanzplaner widmet die Stiftung finanziellen Bedürfnissen von Frauen. Das ist gut gedacht. Aber ob gut gemacht?

Grundsätzlich hat der aufgeklärte Umgang mit Geld und der Vermögensaufbau ja nichts mit dem Geschlecht zu tun. Bei manchen Details dann aber doch schon. Das liegt an unserer Gesellschaft und der teils strukturellen Diskriminierung von Frauen z.B. im Steuerrecht, bei der Bezahlung von Frauen und im Verständnis mancher Paare, wenn Kinder im Spiel sind. Und dann wird das Thema Finanzen doch spezifisch weiblich.

Deshalb trifft die Aussage des Finanzplaners den Grundnerv beim Thema “Frauen & Geld”:

Hauptaussage: Geld macht unabhängig

Unabhängig von den Forderungen und Weisungen anderer wie Ehemännern, Familienmitgliedern, Vorgesetzten, Staatsbehörden. Stehen Frauen finanziell auf eigenen Füßen, sorgen für sich und bauen eigenständig Vermögen auf, können sie ihr Leben so leben, wie sie es für richtig halten. Und nicht andere es von ihnen verlangen.

Der Finanzplaner Frauen liefert dazu einen guten Einstieg. Er betont gleich zum Auftakt und in den einzelnen Kapiteln immer wieder, wie wichtig es ist, Bescheid zu wissen bei den eigenen Finanzen. Und wie das gehen kann mit dem Schlaumachen.

Inhalt

“Meine Situation – mein Plan” ist das erste Kapitel im Finanzplaner. Geld ist also keine Nebenbeisache, sondern eine bewusste Angelegenheit. Der Finanzplaner geht in diesem Kapitel auf unterschiedliche Lebensphasen von Frauen ein und skizziert Schritte, was in diesen Phasen finanziell zu überdenken ist.

Phase 1: Alleinstehend im Beruf.

Hier wird empfohlen, einen Finanzüberblick aufzustellen, an Vorsorge für das Alter zu denken (in ETFs), betriebliche Fortbildungsmöglichkeiten zu nutzen, geldwerte Vorteil beim Chef anzusprechen und sich gründliche (!) Gedanken zu machen wenn Berater die private Krankenversicherung wegen günstiger Beiträge empfehlen.

Phase 3: Das erste Kind kommt.

Familienbudget bedacht, Steuerklassenwechsel, Berufsunfähigkeitsversicherung und berufliche Absprachen über die Rückkehr in den Job? Das sind Themen, die der Finanzplaner in dieser Lebensphase anreißt. Wie eine gute Absicherung aussieht und was mit der Altersvorsorge passiert wird hier ebenso angesprochen.

Phase 6: Plötzlich getrennt.

Was steht Frauen bei einer Scheidung finanziell zu? Welche Unterlagen brauchen Sie dann, welche Versicherungen müssen geändert werden, und was ist mit dem gemeinsamen Mietvertrag? Nur 4 von vielen, vielen Fragen, die bei einer Trennung einer Ehe zu klären sind.

Der Finanzplaner skizziert insgesamt 10 Lebensphasen, darunter auch, was in Patchwork-Familien zu beachten ist, wenn der Partner stirbt und was vor dem Ruhestand finanziell bedenkenswert ist.

Die einzelnen finanziellen Aspekte jeder Lebensphase sind grafisch aufgereiht wie Stationen in einem Themenpark und mit einer Seitenzahl im Ratgeber versehen. Sie funktionieren als Navigation durch den Finanzplaner (siehe Video).

Das gefällt mir

Der Finanzplaner kommt schnell auf den Punkt und erklärt, wie Frauen sich absichern können, falls die Liebe scheitert. Das Eheverträge einen Gedanken wert sind, wonach sich der Kindesunterhalt richtet und wer aushilft, wenn der Kindsvater keinen Unterhalt zahlt.

Auf steuerliche Aspekte wird eingegangen und wie sie klug genutzt werden können, das Altersarmuts-Risiko von Teilzeit wird angesprochen und wie Frauen erfolgreich Sparen und sich ein Vermögen aufbauen. ETFs spielen eine Rolle, die Gesetzliche Rente, staatliche geförderte Renten, Schuldentilgung und ein Riskopuffer auf dem Tagesgeldkonto.

Testament, Vorsorgevollmachten und welche Versicherungen wichtig bzw. unwichtig sind – alles drin im Finanzplaner.

Der Finanzplaner ist damit auf nicht mal 150 Seiten ein Sammelsurium der wichtigsten finanziellen Überlegungen.

Das gefällt mir nicht

Was mich ärgerlich zurücklässt beim Finanzplaner ist das transportierte Frauen- und Familienbild und die damit einhergehenden Klischees. Es wird von der tradierten gesellschaftlichen Rollenzuweisung ausgegangen – dem Versorgermodell – Mann verdient, Frau kümmert sich um ihn und die Kinder: So bleiben Frauen im Finanzplaner automatisch mit Geburt eines Kindes zuhause. Kinderbetreuung, Haushalt und das Organisieren eines Kita-Platzes obliegt ihnen. Sie stecken natürlich beruflich Jahrzehnte (!) zurück und haben höchstens eine Teilzeitstelle. Worin sich das festmacht? Einige wenige Beispiele (von zu vielen):

“Sie sind schwanger oder gerade Mutter geworden. Sie leben in einer Partnerschaft. Für die Kinderbetreuung werden hauptsächlich Sie zuständig sein und beruflich einige Zeit aussetzen.”

Kinderbetreuung können sich Eltern teilen. Und auch die beruflichen Auszeiten könnten verteilt werden. Kein Wort hier vom anderen Elternteil.

Oder:

“Wenn dann auch noch der Partner das höhere Gehalt hat und einen Karriereknick aufgrund der beruflichen Auszeit fürchtet, ist es in vielen Partnerschaften die logische Konsequenz, dass er die Rolle des Hauptverdieners übernimmt und sie mehr Zeit für die Familie aufbringt.”

Genau aus solchen Gründen stehen Frauen u.a. finanziell schlechter da als Männer: Weil ihnen eingeredet wird, es wäre normal und “logisch”, dass sie weniger verdienen und niedrigere Frauengehälter nicht auch strukturelle Ursachen haben.

Hier widerspricht sich der Finanzplaner und verkennt, welche Wirkung Worte haben.

Wer Frauen den Rücken für eine finanziell Unabhängigkeit stärken will, geht von einem gleichberechtigten Frauen-  und Familienbild aus, bei dem sich beide Elternteile Erziehungs- und Sorgearbeit teilen. Und die Hausarbeit. Das heißt, Partner verhandeln über Beruf, Kinderauszeit, finanziellen Ausgleich. Nichts ist da logisch und natürlich und freilich hinzunehmen, weil es immer so war.

Zudem wird zu häufig die Altersvorsorge mit Riester, Rürup und Betriebsrente hervorgehoben, ohne darzustellen, welche Probleme und Risiken damit verbunden sind. So, wie der Planer es transportiert, könnte Frau denken, das sind gute Vorsorgebausteine. Sind sie aber nicht, wie renommierte Wissenschaftler ausführlich z.B. bei der Riester-Rente analysiert haben.

Mein Fazit

Der Finanzplaner Frauen ist ein passabler und niedrigschwelliger Einstieg in das Thema Finanzen, und an was Frau alles denken könnte, müsste. Er eignet sich für Frauen, die bisher einen Bogen um das Thema Finanzen, Absicherung, Scheidung und Tod des Partners gemacht haben.

Der Planer spricht viele finanzielle Aspekte an, bietet Gedankenanstöße, geht aber nicht in die Tiefe. Das ist bei der Seitenzahl aber auch nicht möglich.

Das transportierte Frauenbild geht aber nicht von selbstbewussten Frauen aus, die ihre finanziellen und beruflichen Ansprüche kennen und offensiv formulieren. Wenn Sie sich den Finanzplaner kaufen, bedenken Sie das bitte.

Wenn Sie jetzt schon etwas tun möchten für “Ihre Finanzen” – fangen Sie hier an: 10 Beobachtungen gegen Altersarmut

Der Finanzplaner kostet 19,90 € und ist am 8. März 2018 erschienen. Mit einem Klick auf das Cover können Sie in den Finanzplaner Frauen hinein blättern.

Broschüre: Finanzplaner Frauen

Rundbrief? 🙂

Garantiert kein Spam.

Ich stimme zu, dass der E-Mail-Dienst GetResponse ( mehr ) meine Daten verwaltet.
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Das sagen Sie dazu

tbee

Immerhin am Weltfrauentag erschienen – das muss dann doch was taugen 😉

    Geldfrau

    Taugt es ja auch.
    Die geistige Haltung dahinter empfinde ich nur als fraglich.

Alexey

Guten Tag,
vielen lieben Dank für den ausführlichen Beitrag. Ich denke, dass ich mir den Finanzplaner holen werde! Meine Frage wäre nur: Was halten Sie von Finanzplaner Excel Tabellen und Apps? Sind diese gute Alternativen für Sie oder eher nicht?

Dankeschön im Voraus

    Geldfrau

    Liebe Alexey,
    ich bin Excel-Nutzerin und schreibe Pläne auf Papier, die ich in meinem Finanzordner abhefte. Mit Apps habe ich es versucht, nur sind mir bisher alle zu mächtig für meine Zwecke und ich mag es nicht, soviel auf’s Handy zu starren und mit den kleinen Tasten zu hantieren. Da ist aber ja jeder anders … 🙂


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