Frau lächelt in die Kamera, sichert sie sich ab vor Altersarmut?

Das schützt vor Altersarmut: 10 Beobachtungen aus dem Leben

4. Dez 2017

Alt werden ist nichts für Feiglinge. Diesen Satz soll die Hollywood-Schauspielerin Mae West in ihren letzten Lebensjahren zu einem jungen Reporter gesagt haben. Sie hat Recht. Da können sich smarte Werber in ihren 30ern noch so sehr anstrengen und schrill über “Best Ager” oder “Silver Surfer” philosophieren. Wer älter ist als 45 weiß, wie die Realität aussieht und aussehen wird. Und dass Altersarmut in Werbespots nicht vorkommt.

Wenn Sorgen das Alter bestimmen

Alt werden und alt sein lässt sich mit Würde aushalten, wenn wir uns aufgehoben fühlen und wissen: Ich brauche mir über den nächsten Morgen keine Sorgen zu machen. Das erscheint einem in jungen Jahren womöglich banal, ist es aber nicht. Das “sich-nicht-sorgen-müssen” hat dabei auch mit Geld zu tun. Mit ausreichend Geld.

Wer ausreichend Geld hat, kann auch als alter Mensch am gesellschaftlichen Leben teilhaben, in einer komfortablen Wohnung leben, sich wichtige Medizin kaufen, mal eine Reise unternehmen und jemanden anständig für Pflege bezahlen. Ohne Geld wird das Leben beschwerlich bis unwürdig. Altersarmut ist dabei in unserem reichen Land für Millionen Menschen Alltag, nicht Ausnahme.

Frauen erhalten meist weniger als 600 € Rente

Gerade Frauen sind von Altersarmut betroffen und bedroht. 2017 liegt die durchschnittliche, gesetzliche Rente einer Frau bei 665 Euro im Monat, so die Deutsche Rentenversicherung. Wenn sie gesetzlich rentenversichert ist. Die meisten Rentenbezieherinnen liegen sogar unter diesen 665 Euro monatlich. Ich könnte mit dieser Rente noch nicht einmal mein jetziges Wohnen bezahlen, geschweige denn davon leben.

Ich habe viel gelesen und auf Fachtagungen – wie kürzlich vom Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz in Berlin veranstaltet – von Schuldnerberaterinnen, Verbraucherschützerinnen und Familienhelferinnen gehört, warum ausgerechnet Frauen arm sind im Alter. Das hat viele Gründe: persönliche, gesellschaftliche, politische.

Einige dieser Gründe können Frauen selbst ausschalten beziehungsweise so beeinflussen, dass sie nicht in die Altersarmut rutschen. Andere müssen Politik und Gesellschaft ändern, aber auch da können und müssen wir Frauen Druck machen.

Hier ist meine Liste der Beobachtungen, was vor Altersarmut wirksam schützt.

Das schützt Frauen vor Altersarmut:

1  Lückenfreie Erwerbsbiografie
Teilzeit, Arbeitslosigkeit, lange Elternzeit senken Chancen für mehr Lohn und Verantwortung. Vermeiden!

Und wenn doch, vom Vater des Kinder, der Kinder, einen finanziellen Ausgleich für die Altersfürsorge einfordern. Zum Beispiel durch freiwillige Beiträge in die gesetzlichen Rentenversicherung. Oder durch den Aufbau eines Extra-Vermögens im Eigentum der Frau.

2  Gut bezahlte Berufe wählen
Es ist noch ein weiter Weg dahin, bis “typisch weibliche Berufe” fair und hoch entlohnt werden. Kämpfen wir dafür. Bis es soweit ist müssen Berufe her, die besser bezahlt werden als Krankenschwester, Pflegerin, Verkäuferin … akademische Berufe zum Beispiel werden deutliche höher bezahlt, oder Handwerksberufe. Da kann Frau auch noch ihre eigene Chefin sein.

3  Hohes Lohneinkommen
Mit einem Niedriglohn-Job ist Frau arm – und bleibt es auch im Alter. Verbannen wir Niedriglohn-Jobs aus unseren Biografien! Regelmäßig Gespräche für einer Lohnerhöhung führen. Nur wer fordert, kriegt auch was!

4  Denkverbote rund ums Geld abhaken
Mit Sätzen wie: “Ich kann doch nicht über Geld reden!” blockieren Frauen sich selbst. Weg damit. Reden wir über Geld, gerade auch mit unseren (Ehe-)Partnern. Offen. Bereit zu lernen, sich auszutauschen. Und auch bereit zum Einfordern von Teilhabe am gemeinsam erarbeiteten Wohlstand. Denn ohne die Frauen, die die Kinder hüten, könnten die Väter  nicht in den Job gehen. Elternschaft ist Teamarbeit.

5  Bewusst mit Geld umgehen
Geld ausgeben können wir auch im Alter. Verdienen nur in jungen und mittleren Jahren. Konsumschulden schränken ein, auch wenn das paradox klingt, und zu hohe Hypothekenschulden ebenso. Und mal ehrlich, wer braucht schon dieses alberne Image-Dropping “mein-Haus-mein-Boot-mein-SUV-meine-Luxus-Urlaube? Klinken Sie sich aus der Konsumspirale aus. Kaufen Sie, was Ihnen wichtig ist. Ihnen. Nicht anderen.

6  Vermögensaufbau selbst in die Hand nehmen
Wer sich von anderen sagen lässt, wie Geld zu investieren, sparen und anzulegen ist, wird nicht viel von seinem Geld haben. Im schlimmsten Fall kein Vermögen aufbauen trotz guten Einkommens. Sicherheit gibt es nicht! Selbst informieren, schlau machen, Bücher lesen, fragen, neugierig sein sind die besten Voraussetzungen für ein gutes Auskommen im Alter. Immer!

7  Denken in langen Zeiträumen
Ein Frauen-Leben ist lang. Wie wunderbar! Das Finanzielle jahrzehntelang aber auf später zu verschieben, führt direkt in die Altersarmut. Der schlimmste Fehler von Frauen beim Thema Geld ist das Verdrängen und die irre Ansicht, Geld sei nicht wichtig im Leben. ES IST WICHTIG. Nicht Vogel-Strauß spielen, sondern Kopf hoch, Brust raus und ran an’s Geld.

8  Keine Kinder bekommen
Von Altersarmut sind vor allem alleinerziehende Frauen betroffen und bedroht. Nicht Männer. Eine Armutszeugnis unseres reichen Deutschlands. Das ließe sich freilich ändern. Mit aus Steuermitteln (!) bezahlten Mütterrenten, mit einem armutsfesten Einkommen für alle, mit gleicher Teilhabe der Väter an Kindererziehung und -pflege, mit freien Betreuungsangeboten … Die Liste ist lang.

Bis dahin bleiben Kinder ein Armutsrisiko für Frauen (wie gesagt, nicht für Männer).

9  Persönliche Beziehungen pflegen
Geld spendet keine Wärme, erzählt nichts, kann nicht mit uns lachen, weinen und uns helfen. Unsere Freunde und unsere Familie schon. Wer für andere da ist, wird geborgen sein. Auch im Alter, wenn wir es am dringendsten brauchen.

10 Gesunde Lebensführung
Kranksein zermürbt, kostet Unmengen an Geld, Zeit und vor allem Lebensfreude. Helfen wir denen, die nicht das Glück haben, in einem gesunden Körper zu leben. Und achten wir auf unseren.

Der erste Schritt gegen Altersarmut

Der erste Schritt ist, sich dem Thema Finanzen zu stellen und es nicht mehr vor sich herzuschieben. Am besten jetzt gleich. Der Anfang ist gar nicht so schwer.

Sehen Sie sich Ihre Finanzen an: Was habe ich an Einkommen, was an Ausgaben, was habe ich bisher für das Alter zur Seite gelegt? Und: Nehmen Sie Geld wichtig. Weil es wichtig ist, solange wir in einer kapitalistischen Wirtschafts- und Geldordnung leben.

Foto oben: Jill Wellington @ pixabay
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Das sagen Sie dazu

Jürgen Nawatzki
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Hallo,
Millennials vor Altersarmut bewahren ist meine Mission. Doch wie schafft man das am besten?
In dem man früh anfängt, etwas zurückzulegen und wenn es anfangs nur 25 Euro pro Monat sind. Steigt das Einkommen, kann auch der Sparbeitrag steigen.
Wenn man früh anfängt, kann zudem der Zinseszinseffekt in Ruhe seine Arbeit verrichten.
Das macht über 30 oder 40 Jahre eine Menge aus.
Und so kann man Altersarmut vermeiden.
Aber leider interessieren sich Frauen statistisch gesehen weniger für Geld als Männer.
Da sollte sich etwas ändern.
Viele Grüße
Jürgen

    Geldfrau
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    Lieber Jürgen,
    dann sind wir beide auf einer guten Mission: Frauen und junge Menschen für eine eigenverantwortliche Zukunft zu begeistern und Möglichkeiten aufzuzeigen.
    Ich stelle bei Frauen aber immer öfter fest, dass sie anfangen, Spaß am selbst verdienten Geld zu haben und an der Materie! Die Initiative lohnt also.
    Grüße zurück!
    Dani


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