Kleiner Aufwand, große Wirkung. Kümmern Sie sich um den Freistellungsauftrag

Freistellungsauftrag – Was ist das und wofür? Erneuern Sie Ihren Freistellungsauftrag jetzt!

10. Mai 2017

Der Freistellungsauftrag ist ein Wortungetüm. Wer ihn deswegen aber links liegen lässt, zahlt drauf. Schenken Sie ihm etwas Beachtung. Sie müssen das auch gar nicht oft tun.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Wenn Sie das Wortungetüm leise vor sich hin sprechen – Frei-Stellungs-Auftrag – erschließt sich im Grunde sein Sinn. Er stellt etwas frei. Und zwar einen Teil Ihres Einkommens. Genauer: Einen Teil Ihrer Kapitalerträge. Er stellt sie steuerfrei. Sie müssen also darauf keine Steuer zahlen.

In diese komfortable Situation kommen Sie aber nur, wenn Sie selbst aktiv werden – und den Freistellungsauftrag ausfüllen. Und zwar bei Ihrer Bank oder Ihren Banken.

Dass Sie aktiv werden ist umso wichtiger, wenn Sie Ihren Freistellungsauftrag seit 2016 nicht erneuert haben.

Seit 2016 muss nämlich auf dem Freistellungsauftrag die steuerliche Identifikationsnummer, kurz Steuer-ID, stehen. Ohne sie verliert der Auftrag seine Gültigkeit.

Wo finde ich die Steuer-Identifikationsnummer?

Die Steuer-Identifikationsnummer ist so wie ein Geburtsdatumg – auch wenn Sie die womöglich nicht auswendig im Kopf haben. Jede’r Bundesbürger’in hat so eine Steuer-Id — von Geburt an. Wo Sie Ihre Identifikationsnummer finden, erkläre ich in diesem Artikel:

Steuer-ID verlegt? So finden Sie Ihre Steuer Identifikationsnummer

Freistellungsauftrag für Kapitalerträge

Freistellungsaufträge stellen also Kapitalerträge steuerfrei. Kapitalerträge sind Einkommen, die mit Kapital, also Geld, erzielt wird. Und nicht mit eigener Arbeit und Berufstätigkeit, also der eigenen Arbeitskraft.

Was gehört zu den Kapitalerträgen?

Zinsen, Dividenden und Kursgewinne sind Kapitalerträge, Freistellungsauftrag erteilen

Zinsen auf Guthaben gehören also zu den Kapitalerträgen – Guthaben auf Giro-, Tages- und Festgeldkonten zum Beispiel. Okay, zurzeit ist das eher ein Witz. Aber Kleinvieh macht auch Mist.

Zu den Kapitalerträgen gehören auch Einnahmen aus Aktien, Aktienfonds, ETFs und anderen Anlagepapieren. Wer solche Anlagen besitzt, erhält – wenn es gut läuft – jährlich ein Stück vom Gewinn der jeweiligen Unternehmen ab. Sprich: eine Dividende.

Werden diese Wertpapiere irgendwann zu einem höheren Preis verkauft, sind Kursgewinne drin. Diese müssen ebenfalls versteuert werden.

Von allen diesen Einnahmen aus Kapital will der Staat etwas abhaben. Seit 2009 heißt die entsprechende Steuer “Abgeltungssteuer”.

Abgeltungssteuer – mit 25 Prozent sind Sie dabei

Die Abgeltungssteuer beträgt grundsätzlich 25 Prozent. Oben drauf kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Macht 26,375 Prozent.

Wer seiner Kirche die Treue hält, zahlt weitere 8 bzw. 9 Prozent on top. Summasummarum sind das: 27,9 Prozent Abgeltungssteuer bei vollem Programm.

Das heißt: Das Finanzamt erhält von jedem Euro Kapitalertrag 0,26 € beziehungsweise 0,28 €.

Das Finanzamt rechnet so: 1 € x 26,375 : 100 = 0,26 €

Freistellungsauftrag sichert Steuerfreibetrag

Um Kleinsparer zu schonen, bedient sich der Staat aber nicht gleich beim ersten Kapitalertrags-Euro. Er gewährt einen Freibetrag. So wie bei der Lohnsteuer.

Dieses Zugeständnis nennt der Staat bei der Abgeltungssteuer Sparerpauschbetrag. (noch so ein seltsames Bürokratenwortungetüm)

Der Sparerpauschbetrag liegt
für Unverheiratete bei 801 €,
für Verheirateten bei 1.602 €— also schlicht dem Doppelten.

Freistellungsauftrag macht’s: nur 0,26 € statt 211,52 € Steuer.

Eine unverheiratete Frau – ich nenne sie Sabine – nimmt 800 € im Jahr an Zinsen und anderen Kapitalerträgen ein.

Sie besitzt neben ihrem Girokonto bei Bank1 ein Tages- und Festgeldkonto und hat zusätzlich bei einer Online-Bank ein Urlaubskonto und Depot. Im Depot liegen diverse Anlagepapiere.

Auf ihre 800 € Kapitalerträge zahlt Sabine keinen Cent Abgeltungssteuer. Denn sie bleibt knapp unter dem Freibetrag von 801 €  für Unverheiratete.

Würde Sabine 802 € einnehmen, also nur 1 Euro über dem Freibetrag, sähe die Rechnung anders aus.

Dann müsste sie diesen Euro versteuern – mit 25 Prozent plus 5,5 Prozent Soli. (Die Kirchensteuer lasse ich mal weg.) Sie schuldete dem Staat damit 26 Cent Abgeltungssteuer.

Den Centbetrag würde Sabine aber nicht selbst an das Finanzamt überweisen. Das erledigt die Bank für sie.

Doch Halt!

Sabine zahlt auf die 801 € Kapitalerträge nur deshalb keine Steuer, weil sie ihren Banken Freistellungsaufträge erteilt hatte — in Höhe des Sparerpauschbetrages.

Hätte Sabine ihren beiden Banken keine Freistellungsaufträge ausgestellt, hätten sie die Abgeltungssteuer auf Sabines gesamte Kapitalerträge berechnet – also auf 802 €. Das wären dann 211,52 € Abgeltungssteuer.

Die Rechnung: 802 € x 26,375 : 100 = 211,52 €

Diese 211,52 € hätten die Banken dem Finanzamt überwiesen – statt 0,26 €. Was für ein eklatanter Unterschied. Und alles nur wegen nicht erteilter Freistellungsaufträge.

Und ist das Geld dann weg? Nein.

Mit der Lohnsteuererklärung Abgeltungssteuer zurück holen

Zu viel gezahlte Abgeltungssteuer kann über die Lohnsteuererklärung zurückgeholt werden. Dazu muss bei der Lohnsteuererklärung die Anlage KAP (Beispiel KAP 2016) ausgefüllt und mit eingereicht werden. Das ist die Anlage für Kapitalerträge.

Wichtig! Für die Anlage KAP brauchen Sie von Ihrer Bank die Jahressteuerbescheinigung. Auf dieser Bescheinigung stehen u.a. die Kapitalerträge und die gezahlte Abgeltungssteuer. Die Jahressteuerbescheinigung schicken manche Banken nur auf Aufforderung, andere lediglich online.

Prüfen Sie das und beantragen Sie die Bescheinigung formlos bei Ihrer Bank bzw. Ihren Banken.

Der Fiskus erstattet dann über den Lohnsteuerjahresausgleich zuviel erhaltene Abgeltungssteuer.

Das aber dauert. Zwischenzeitlich könnte Sabine mit den 211 € sicher schönere Dinge anstellen als sie beim Finanzamt zwischenzulagern.

Außerdem macht das wieder Mühe, die KAP. Besser ist es, gleich den Freistellungsauftrag bei der Bank ausfüllen.

Jetzt!

Freistellungsauftrag jetzt erneuern – große Wirkung, kleiner Aufwand

Am einfachsten lassen sich Freistellungsaufträge bei Banken einrichten, die Online-Banking anbieten.

Vorgehen beim Online-Banking:
1.  Einloggen
2.  Girokonto oder Depot anwählen
3.  im Servicebereich Freistellungsauftrag anklicken oder
4.  per Suchfunktion „Freistellungsauftrag“ finden
5.  ausfüllen, freigeben, abschicken
6.  auf Schulter klopfen: Gut macht.

Die Freistellungsaufträge können Sie unbefristet erteilen oder für ein Jahr. Ich rate zu unbefristet. Ändern können Sie die Gültigkeitsdauer des Auftrags jederzeit.

Vorgehen Klassisch:
1.  Gehen Sie zu einer Filiale Ihrer Bank. Lassen Sie sich den Freistellungsauftrag als Papier-Formular geben.
Oder:
2.  Wählen Sie die Internet-Seite Ihrer Bank an und suchen nach “Freistellungsauftrag”.
3.  Laden Sie das entsprechende Formular auf Ihren PC und drucken es aus.
4.  Jetzt Ausfüllen und per Post an die Bank schicken, per E-Mail oder Fax.
5.  Sich freuen.

Pro Bank wird ein Freistellungsauftrag erteilt, nicht pro Konto oder Depot.

Wenig Aufwand, viel Wirkung.

Freistellungsauftrag Formulare

Hier zwei Beispiele, wie ein Freistellungsformular aussieht.
Freistellungsformular der GLS-Bank (pdf)
Freistellungsformular der Commerzbank (pdf)

Das war leider noch nicht alles. Noch ein wichtiger Punkt.

Mehr als eine Bank? Den Sparerpauschbetrag sinnvoll splitten

Wenn Sie nur bei einer Bank Ihre Konten haben, brauchen Sie nur einen Freistellungsauftrag.

Haben Sie dagegen Konten bei mehreren Banken, so wie Sabine in meinem Beispiel, dann teilen Sie den Sparerpauschbetrag mithilfe des Freistellungsauftrag auf diese Banken auf – wie einen Kuchen auf verschiedene Teller.

Sabine hat beispielsweise bei Bank1 den Sparerpauschbetrag auf 101 € gesetzt, bei Bank2 mit Urlaubskonto und Depot auf 700 €. Macht zusammen 801 €.

Den Sparerpauschbetrag stumpf durch die Anzahl der Banken zu teilen, erscheint zwar naheliegend, ist aber sinnfrei.

Verteilen Sie den Pauschbetrag so, dass er (möglichst) alle Kapitalerträge abdeckt. Orientieren Sie sich daran, wieviele Erträge Sie auf welchen Konten und Depots pro Jahr einnehmen – bei der jeweiligen Bank.

Sehen Sie sich dazu Ihre Konto- und Depotauszüge an und schätzen Sie das laufende Jahr ab.

Zum Beispiel so wie bei Sabine:

Den Freistellungsauftrag sinnvoll aufteilen

Liste für Ihre Freistellungsaufträge

Bei den eigenen Konten den Überblick zu behalten, ist das A und O der guten Kontoführung. Dazu gehört, schnell nachschlagen zu können, wie der Sparerpauschbetrag verteilt ist.

Dafür habe ich Ihnen eine Liste als pdf-Dokument angefertigt.

Laden Sie diese auf Ihr Endgerät oder drucken Sie sie aus. Füllen Sie die Liste aus und heften Sie sie in Ihren Kontoordner.

Geldfrau-Download:   Übersicht für Freistellungsaufträge 

Rundbrief? 🙂

Garantiert kein Spam.

Ich stimme zu, dass der E-Mail-Dienst GetResponse ( mehr ) meine Daten verwaltet.

 

Weiterführende Links
+ amtliche Infos zur Steuer Identifikationsnummer
+ Online-Formular zum Beantragen der Steuer Identifikationsnummer
+ sehr übersichtliche Website zweier Journalisten “Alles zur Abgeltungssteuer” (Stand 2012, immer noch aktuell)
+ Jahressteuerbescheid näher erklärt

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Das sagen Sie dazu

Laura

Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen, auf die jeder achten sollte.

Schleichdi

Man kann auch kurz vor Jahresende, wenn man die aufgelaufenen Zinsen und sonstigen Erträge für das fast abgelaufene Jahr bereits kennt, nochmal prüfen, ob man die Freistellungsaufträge sinnvoll verteilt hat. Man kann sie dann noch ändern, für das ganze Jahr rückwirkend.

    Geldfrau

    Danke für den wertvollen Hinweis!

Max

Danke für die ausführliche Darstellung.
Da ich häufig die Tagesgeld Konten austausche (bleibt einem ja keine andere Wahl in der aktuellen Zinslage), habe ich die Freistellungsaufträge nicht mehr erteilt.
Dafür habe ich die Daten immer fleißig in der KAP eingetragen.

Da aktuell die StErklärung vom FA zurückkam, wollte ich mal fragen, ob man die Rückerstattung dort erkennen kann, denn abgezogen wurde die Steuer ja direkt von der Bank?
Ich sehe nur den Posten Kapitalerträge, der aktuell mit 0 in die Gesamtsumme einfließt, da kleiner als der Pauschbetrag doch man müsste die bereits bezahlte Steuer doch wieder zurück bekommen oder?

    Geldfrau

    In der Steuererklärung wird auf der Hauptseite auch die Kapitalertragssteuer ausgewiesen. Wenn Sie keine Abgeltungssteuer zahlen müssten, sie aber gezahlt haben, dann sollte dort irgend etwas in der Art von “zuviel entrichtete Kapitalertragssteuer” stehen.
    Blättern Sie gegebenenfalls in der Erklärung. Weiter hinten werden die Kapitalerträge aufgelistet, der Pauschbetrag abgezogen und dann eine Summe gebildet.

    Da ich Ihre Steuererklärung nicht kenne, empfehle ich Ihnen eines:
    Rufen Sie Ihren oder Ihre Finanzbeamt’in an. Die sind zur Auskunft verpflichtet (§42e EStG). Ich habe das auch schon öfter getan und immer eine fundierte Auskunft erhalten.
    Auf Ihrer Steuererklärung steht ganz oben rechts unter der Adresse des Finanzamtes die direkte Durchwahl.

    Viel Erfolg!

Wilhelm

Danke! Jetzt habe ich endlich mal einen klären Artikel dazu gefunden. Ich habe bei einem meiner Konten bisher keinen Freistellungsauftrg eingerichtet, aber ich denke, ich habe es jetzt richtig verstanden, dass ich ihn nicht brauche. Ich habe keine Erträge aus Zinsen oder ähnlichem… Also brauche ich mich darum nicht kümmern?!

    Geldfrau

    Würde ich in Ihrem Fall dann auch so sehen. Ohne Zinsen, keine Steuern, keine Notwendigkeit für einen Freistellungsauftrag 🙂

Karl Bauer

Hallo,
bin hier zufällig drüber gestolpert und eines fehlt mir im Formblatt “Übersicht für Freistellungsaufträge”.
Das Thema Befristung des Freistellungsauftrages.
Ob man den befristet oder nicht muss jeder nach den persönlichen Rahmenbedingungen beurteilen, zumindest würde ich es in der Übersicht als Spalte einfügen.

    Geldfrau

    Da haben Sie Recht. Die Spalte fehlt. Wahrscheinlich weil mir kein Fall einfällt, indem die Befristung sinnvoll ist.
    Danke dennoch für den Hinweis. Ich werde nochmal drüber nachdenken.


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