Die nichteheliche Lebensgemeinschaft - gemeinsam stark.

Nichteheliche Lebensgemeinschaft: Wer zahlt was? Und was ist fair?

2. Sep 2020

M. hat mir geschrieben. Eine Leserin meines Blogs. Ich nenne sie Marietta. Sie fragt – für ihre nichteheliche Lebensgemeinschaft – was sei fair, wenn es darum gehe, gemeinsame Ausgaben zu teilen?

Diese Frage höre ich oft. Denn ziehen zwei zusammen, prallen die Vorstellungen von Geld und vom Umgang damit ungebremst aufeinander. Und damit unsere Vergangenheit, Herkunft und bisherigen finanziellen Erfahrungen. Beim Aufprall können sie sich zu etwas Neuem vermischen, ergänzen oder voneinander abprallen. Prallen sie ab, wird es schwer mit einer Beziehung auf Augenhöhe.

Als Paar gilt es immer, ein finanzielles „Wir“ zu finden, eine gemeinsame Haltung zu Geld, Vermögen und ja, auch Erbe. Eine nichteheliche Lebensgemeinschaft ist da besonders gefordert, weil bei einer Ehe das Gesetz Ungleichheiten zumindest bei der Scheidung teilweise ausbügelt.

Wie sieht es also bei Marietta aus? Sie stört etwas ganz gewaltig.

Die Eckdaten:

Marietta lebt mit ihrem Partner in ihrer Eigentumswohnung, die sie noch abbezahlt. Beide sind nicht miteinander verheiratet, haben ein gemeinsames Kind im Krippenalter. Sie arbeitet wegen des Kindes 80% Teilzeit, er Vollzeit. Er verdient mehr als sie (ob wegen Vollzeit oder generell, schreibt Marietta nicht und wie viel mehr leider auch nicht).

Die Zahlen:

Dieses Geld erhält Marietta – theoretisch – monatlich von ihrem Partner:

100 €   hälftige Übernahme der Fremdkapitalzinsen für den Immobilienkredit
+ 80 €   anteilige Nebenkosten
+ 200 €  Unterstützung (was immer damit gemeint ist)
+ 45€   GEZ und Mediennutzung
——–
= 425 €

Gegen diese rechnet ihr Partner:

425 €
– 102 €   Kindergeld, da Marietta die 204€ Kindergeld von der Familienkasse erhält
– 170 €   anteilige Krippenkosten
——–
= 153 €

Marietta erhält also monatlich 153 €.

Die Krippenkosten in Höhe von 340 € monatlich, bzw. jährlich 4.080 €, setzt er komplett in seiner Steuererklärung an. Weil er mehr verdient. Grundsätzlich könnte freilich auch Marietta einen Teil der Krippenkosten bei sich in der Steuererklärung ansetzen, dann zahlt auch sie weniger Steuern.

Nun, er zahlt die Kita, deshalb zieht er die Hälfte von den 425 € ab, die er an Marietta zahlen würde. Die Steuern, die er durch das Absetzen der Kitakosten spart, will er ihr zur Hälfte zurückzahlen. Wann ist unklar.

Marietta fragt mich also:

Ist das fair?

Dass sie nur 153 € von ihrem Partner erhält? Sie findet nämlich: Nein.

Weil sie wegen des gemeinsamen Kindes Teilzeit arbeitet. Außerdem findet sie es offenbar falsch, dass ihr Partner keine Miete zahlt, obwohl sie hohe monatliche Ausgaben hat und sie das Kredit-Risiko trägt und er ja woanders auch Miete zahlen müsste. Er sage dazu: Er habe ja keinen Mietvertrag und könne die Nebenkosten nicht in der Steuer absetzen.

(Als ob eine Partnerin und die nichteheliche Lebensgemeinschaft ein Steuersparmodell wären. Hm.)

Nehmen wir das also mal auseinander und fragen: Was ist fair? Beziehungsweise:

Was ist gerecht für die nichteheliche Lebensgemeinschaft

Die große Gerechtigkeits-Frage! Sie beschäftigt alle Paare, alle Menschen – sogar die Affen. Keiner will zu kurz kommen und ungerecht behandelt werden. In diesem TED-Talk wird das eindrucksvoll sichtbar:

Zahlreiche kluge Philosophen haben sich seit der Antike ausgiebig damit beschäftigt – hunderte Jahre vor Christus! Nicht direkt für die nichteheliche Lebensgemeinschaft, dafür für Völker, Gesellschaften, Vertragspartner.

Gerecht – oder fair – ist im allgemeinem Sprachgebrauch ein Verhalten, das anständig ist, kameradschaftlich, loyal und den Spielregeln entspricht und Rücksicht auf den jeweils anderen nimmt.

Gerechtigkeit basiert folglich auf Konsens und gleichen Bedingungen für die Beteiligten und, dass keiner geschädigt wird durch egoistisches Verhalten. Soweit, so unbestimmt.

Eine einfache Regel gibt es nicht

Eine einfache Regel, die immer gerecht ist oder eine einfache Aussage, was gerecht ist, gibt es leider nicht. Die Philosophen streiten sich bis heute. Denn Gleichheit – die naheliegendste Lösung mit 50:50 – ist zwar ein Anfang. Aber nicht immer eine faire Lösung, bei der keiner geschädigt wird.

Es kann gute Gründe für eine ungleiche Verteilung jenseits fifty-fifty geben, die dennoch fair ist, weil sie die persönlichen Umstände berücksichtigt, gesellschaftliche Schlechterstellungen – gerade bei Frauen. Oder die Leistung eines Beteiligten besonders honoriert.

Wie hilft das jetzt Marietta?

Der wichtigste Aspekt ist für mich: Fair ist, wenn keiner der beiden geschädigt wird und gleiche Bedingungen für beide herrschen.

An beidem fehlt es in diesem Fall in dieser nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Marietta trägt das Risiko und die Kosten für die Wohnung, erhält aber keine adäquate Kompensation in Form einer Mietbeteiligung, obwohl ihr Partner von Mariettas Mut und der Wohnung profitiert.

Sie hat zudem ihren Job für das gemeinsame Kind auf 80% reduziert, wodurch sie weniger verdient (lebenslang!) und ihre Karrierechancen sowie Ansprüche in der Gesetzlichen Rentenversicherung sinken. Dieser Nachteil bleibt unausgeglichen.

Zudem wird sie nicht unmittelbar an der Steuerersparnis beteiligt, sondern wird auf später vertröstet. Ungeklärt scheint auch, wie die Ausgaben für das gemeinsame Kind verteilt sind.

Die Geldfrau würde so rechnen:

1  Miete und Nebenkosten

Der Partner zahlt eine anteilige Miete, die sich an der ortsüblichen Vergleichsmiete orientiert. Die Vergleichsmiete in Mariettas Kiez liegt bei etwa 1.050 €. Die anteilige Miete betrüge also 525 €.

Dazu Nebenkosten und GEZ.

525 €   anteilige Miete laut Mietspiegel
+ 80 €   anteilige Nebenkosten
+ 45 €   GEZ und Mediennutzung
——–
= 650 €  

(Statt einer Vergleichsmiete könnte Marietta auch entgangene Mieteinnahmen ansetzen. Weil ihr Freund bei ihr wohnt, kann sie das Zimmer nicht fremdvermieten. Opportunitätskosten nennt sich das ökonomisch, oder Verzichtskosten, also Kosten eines entgangenen Gewinns.)

2 Kita und Steuer

Weiter rechne ich:

650 €
– 170 €*  anteilige Krippenkosten
+  60 €  Steuerersparnis
——–
= 540 €  

Diese 540 € müsste Marietta für Miete, Nebenkosten und Kita von ihrem Partner erhalten.

Ups, Geldfrau, du hast das halbe Kindergeld unterschlagen!

Nö. Habe ich nicht. 🙂 Das Kindergeld ist für das Kind, nicht für Marietta. Deshalb wäre mein Vorschlag, ein Gemeinschaftskonto einzurichten, auf das das Kindergeld überwiesen wird. Und auf das beide einen bestimmten Betrag, anteilig ihres jeweiligen Einkommens, zusätzlich einzahlen, der für das Kind ausgegeben wird.

Klar regeln, wie Ausgaben für Kinder verteilt werden

In einer Elternschaft muss klar geregelt sein, wie die Ausgaben für das Kind beglichen werden. Diese allein Marietta pauschal aufzubürden wäre nicht nur ungerecht, sondern würde auch ein Machtgefälle zwischen ihr und ihrem Partner bedeuten.

Da ich hierzu keine Angaben habe, lasse ich das als Gedanken mal so stehen.

Und die 60 € Steuerersparnis? Woher kommen die jetzt?

Das ist die Ersparnis wegen der Kitakosten, die Mariettas Partner in seiner Steuererklärung steuermindernd ansetzt. Marietta sollte nicht darauf warten müssen, dass ihr Partner irgendwann mal seine Steuererklärung macht und ihr dann irgendwann mal Geld gibt. Als verantwortlicher Partner gibt er ihr freilich das Geld als Vorschuss.

Wie ich das gerechnet habe? Als Überschlagsrechnung. Ich gehe vereinfachend von einem Steuersatz für Mariettas Partner von 35% aus (Da ich sein Einkommen nicht kenne. 35% ist schon relativ hoch. Wenn Sie selbst rechnen möchten, nehmen Sie Ihren Durchschnittssteuersatz).

Um eine mögliche Steuerersparnis vorab zu berechnen, ziehe ich vereinfacht die 4.080 € Betreuungskosten von seinem zu versteuernden Einkommen ab. Darauf spart er sich (vereinfacht) 35% Steuern, also 1.428 €. Die werden hälftig geteilt, macht 714 € für Marietta. Geteilt durch 12 Monate ergibt das monatlich 59,50 €. Rund 60 € also.

Wenn Mariettas Partner dann seine Steuererklärung abgegeben hat, kann er den Vorschuss verrechnen.

(Und bevor an dieser Stelle die Steuerberater:innen und ambitionierte Steuerrrechner:innen unter Ihnen Schnappatmung bekommen: Das ist eine vereinfachte Rechnung. Überschlägig. Nicht berücksichtigt sind Kinderfreibeträge, anteilige Anrechnung der Kitaausgaben, Höhe Einkommen … schon klar. Hier geht es um einen nachvollziehbaren Problemaufriss und Lösungsansatz. Keine genaue Abrechnung. Die kommt mit der Steuererklärung.)

Gleiche Bedingungen für beide.

Krippenkosten halbe-halbe? Ist das fair?

Warum sich die beiden die Krippenkosten hälftig teilen, erschließt sich mir nicht. Wenn er mehr verdient, warum dann 50:50? Es geht ja um die Verteilung der Kosten, nicht um die Anzahl der beteiligten Menschen.

Nur, wenn beide gleich viel verdienen, ist die hälftige Kostenaufteilung logisch. Sonst nicht.

Also: Jeweiliges Einkommen geteilt durch gemeinsames Einkommen.

Wie ich das rechne? So – als Beispiel, weil ich die Zahlen nicht habe. Ich überspitze etwas:
Marietta verdient netto 2.000 €, ihr Partner netto 3.000 €, macht zusammen 5.000 € netto.

Prozentuale Verteilung wäre also für Marietta: 2.000 € / 5.000 € = 40%. Für ihren Partner 60%.

Er würde demnach 60% der Kitakosten übernehmen, sie 40%.

Marietta zahlt also an Kitakosten 136,00 €, er 204,00 €

Entsprechend würde sich die Rechnung ändern.

650 €
– 136 €*  anteilige Krippenkosten
+ 60 €  Steuerersparnis
——–
= 574 €  

Zwischenfazit:

Marietta erhält von ihrem Partner künftig 574 € statt 153 €.

Sie eröffnen dazu ein Gemeinschaftskonto, auf dass das Kindergeld geht und von dem alle Kinderausgaben bezahlt werden. Reicht das Geld nicht, und das wird bald sein, zahlen beide anteilig, gemäß ihres Einkommens, einen zusätzlichen Betrag auf dieses Konto.

Bleiben zwei Aspekte offen.

3  Ausgleich für Mariettas Einkommensverlust

Gerecht wäre es, wenn der Partner den Einkommensverlust von Marietta durch die Teilzeit ausgleicht. Also die Differenz zwischen ihrem Vollzeit- und Teilzeiteinkommen. Entweder vollständig oder anteilig. Das ist Verhandlungssache zwischen den beiden.

Da Frauen strukturell beim Einkommen durch die Gesellschaft benachteiligt werden, plädiere ich für den kompletten Ausgleich. Mindestens aber die Hälfte, besser anteilig gemäß des Einkommens.

4 Gemeinsame Ausgaben in der Beziehung und als Eltern

Wie gehen beide mit den gemeinsamen Ausgaben um? Für die Wohnung, den Urlaub, Lebensmittel, Bewirtung von Freunden, Geschenke für Freunde ihres Kindes, Zoobesuch … ? Das ist auch zu klären.

Geldfrau-Fazit:

Die bisherige Regel ist ungerecht gegenüber Marietta. Ihr Gefühl trügt sie nicht.

So, wie die Regelung jetzt ist, benachteiligt sie Marietta und kompensiert ihre finanziellen Lasten nicht ansatzweise. Der monatliche Betrag durch ihren Partner müsste mindestens bei 540 €, eher bei 570 € liegen, zuzüglich eines Ausgleiches für den Einkommensverlust von Marietta wegen des gemeinsamen Kindes.

Natürlich kann ein schriftlicher Mietvertrag aufgesetzt werden, aber auch eine mündliche Absprache per Handschlag ist rechtlich bindend. Entscheidend ist, es abzusprechen.

Generell gilt:

Wird eine getroffene Vereinbarung schriftlich festgehalten, gibt sie beiden Sicherheit. Dann lässt sie sich auch besser anpassen, wenn sich die Dinge ändern, der Partner beispielsweise in Teilzeit geht und Marietta wieder Vollzeit arbeitet.

Wichtig für Marietta wird sein, dass sie sich ihrer eigenen Wünsche und Lebensvorstellung mit ihrem Partner bewusst wird.

Was will sie? Welche Rolle will sie einnehmen. Was ist Familie?

Wo verlaufen die Machtlinien in der eheähnlichen Lebensgemeinschaft und ist sie damit zufrieden? Oder fühlt sie auch bei anderen Themen ein Machtgefällt, so, wie beim Geld? Wo er offenbar diktiert und sie hinnimmt? Wenn ja, muss das auf den Tisch.

Geldfrau-Vorschlag:

Geldgespräche verabreden
Marietta und ihr Partner verabreden sich regelmäßig zu Gesprächen, bei denen sie zum Beispiel diese Fragen beantworten – für sich und im Dialog miteinander:

1  Was bedeutet mir Geld?
2  Warum ist mir Geld wichtig?
3  Welche Rolle soll Geld in unserer Beziehung, in unserer Familie spielen?
4  Welche Rollen will jeder von uns in unserer Familie übernehmen?

Nur so haben beide die Chance, sich ihren Wünschen und Ansichten über Geld zu nähern. Als Familie brauchen sie eine gemeinsame Haltung und Verabredungen über das Finanzielle. Neben all den anderen Verabredungen über Werte, Liebe, Leben.

Rollen tauschen
Wenn sie die Fragen zum Geld tiefgreifend besprochen haben, könnten Marietta und ihr Partner die Rollen tauschen und überlegen, was denn in ihren Augen jeweils gerecht wäre, um die Lebenshaltungskosten, die Kita und die Ausgaben für ihr Kind aufzuteilen. Und Mariettas Einkommensverlust.

Durch diesen Perspektivwechsel lassen sich womöglich noch andere Lösungen für die nichteheliche Lebensgemeinschaft finden.

Wie sehen Sie das? Und wie regeln Sie das mit der Fairness in Ihrer Beziehung? Ihre Meinung interessiert mich. Ich freue mich über Ihre Vorschläge und Erfahrungen – gerade für eine nichteheliche Lebensgemeinschaft ist das faire Teilen der Kosten des gemeinsamen Lebensentwurfes eine besondere Herausforderung.

Und eine, für die es keine allgemeingültige Blaupause gibt. Wie die Geldfrau das macht, dazu habe ich hier gebloggt.

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Das sagen Sie dazu

Ana

Wenn Marietta auch mehr Haushalt macht und mehr Stunden für die Kinderbetreuung aufwenden, sollte auch diese Leistung entsprechend ausgeglichen werden. Z. B. indem der Partner die Kita-Kosten komplett übernimmt, eine Haushaltshilfe bezahlt und/oder die Lebensmittel komplett selbst bezahlt. Arbeit und Zeit ist viel wert, sogar der sittenwidrige deutsche Mindestlohn liegt bei knapp 10€ pro Stunde.

Aber so wie sich der Text liest, ist Mariettas Partner extrem geizig und hat eine parasitäre Einstellung.

    Geldfrau

    Liebe Ana,
    wie Mariettas Partner wirklich ist, weiß ich nicht. Ich möchte ihm da gar nichts unterstellen. Ich habe ja nur die Schilderungen meiner Leserin.
    Und ja, wenn die Aufteilung der Hausarbeit so unterschiedlich ist, könnte auch hier ein Ausgleich sehr sinnvoll sein.
    Danke für dein Feedback!

Luigi

Hallo Geldfrau,
aus meiner Sicht fehlen einige kosten, z.b. Lebensmittel, KFZ, Sparverträge, Versicherungen und Hobbys / Fortgehen.
Ich sehe das Risiko eher beim Freund / Partner, der nicht die Change hat eine Immobilie zu finanzieren und geht sogar das Risiko ein 25 Jahre Unterhaltspflichtig für das Kind und 12 Jahre für die Freundin zu sein.
Das er mehr Verdient ist alleine seine Leistungsfähigkeit zu verdanken, dafür müsste man Kosten kalkulieren, wie z.b. Studium, Ausfallzeiten, Überstunden, Fahrzeiten, jährliche Qualifikationen oder Bekleidungs-Etikette usw.
Ebenso ist nicht zu erkennen warum Sie nur 80% Arbeitet, wurde das von beiden so gewollt oder hat das Sie für sich entschieden.
Auch könnte man eine andere Aufteilung finden….jeder 10 %.
Die ganze Diskussion ist auch nur Interessant weil er mehr verdient.
Wie wäre es andersrum..? Dann könnte man Ihn nicht belasten.
Der Fleißige wird auch hier zur Kasse gebeten.
Wird hier die Macht nicht von Ihr genutzt um einen Finanziellen vorteil zu haben durch einen freund der mehr verdient um kapital in Form einer Immobilie zu bilden.
Aus meiner Sicht ist der Ansatz für ein Kinder Konto gut.
Auch ein weiteres Konto für Lebenshaltungskosten wie auch Nebenkosten ist sinnvoll.
Eine Aufteilung würde ich aber bei 50/50 und nicht Prozentual berechnen, hier sehe ich eine Bereicherung durch die Freundin, sie könnte ja auch 3000 Euro verdienen (wenn er kann dann Sie doch auch).
Auch würde es Sinn machen das er die Hälfte von den Zinsen Zahlt.
Aber keine Tilgung oder Rücklagen für die Wohnung, weil das gehört nur Ihr.
Auch müsste man Ihm in seinen Ausgaben die gleiche Summe zusprechen um Vermögen zu Bilden (immobilen, Aktien, ETF).

    Geldfrau

    Lieber Luigi,
    stimmt, hier fehlen viele Kosten. Ich habe ja nur die knappen Schilderungen der Leserin, und es ging hier vor allem um die Miete und die Kitakosten.
    Der Partner ist allerdings nicht gegenüber der Freundin unterhaltspflichtig. Dafür gibt es in Deutschland keine rechtliche Grundlage. Für das Kind ist er es ohnehin, inkl. einer Ausbildung. Sie auch.
    Dass er als Mann mehr verdient ist – gesamtgesellschaftlich gesehen – nicht v.a. seiner „Leistungsfähigkeit“ zu verdanken, sondern verdankt er seinem Geschlecht. Das ist wissenschaftlich dokumentiert. Den Nebenschauplatz brauchen wir hier nicht aufmachen.
    Und nein, die ganze Diskussion ist nicht nur interessant, weil er mehr verdient. Sondern, weil hier gemeinsame Kosten nicht gemeinschaftlich geteilt werden, sondern er offensichtlich die Kostenaufteilung diktiert. Natürlich würde die Rechnung anders aussehen, wenn er deutlich weniger verdienen würde trotz Vollzeitjob als sie im Teilzeitjob. Dann aber wäre es ökonomisch sinnvoller, so wird ja oft argumentiert, wenn er das Kind betreuen und Teilzeit arbeiten würde – und sie Vollzeit. 🙂 Würde er weniger verdienen, würde er freilich auch prozentual weniger zahlen. Gleiches Recht für beide.
    Ähm, dass mit den 2.000 € war nur ein Beispiel. Ich kenne die Einkommensverteilung der beiden nicht. Von Bereicherung zu reden finde ich sehr weit hergeholt und – ehrlich – auch fast schon boshaft. Das verkennt die Situation völlig und offenbart eine stereotype Einstellung zu Frauen.
    Und du meinst auch, er soll in der Wohnung mietfrei wohnen? Wieso das? Das ist ökonomisch unsinnig. Wenn er woanders wohnt, müsst er auch Miete zahlen. Selbst, wenn er weniger verdient.
    Lieber Luigi, wir könnten hier trefflich streiten. 🙂
    Danke für Deine Meinung!

Pekka

Bei uns ist die Gemengelage wesentlich einfacher als im beschriebenen Fall, aber vom Grundsatz her gehen wir bei uns davon aus, dass sich die gemeinschaftlichen Kosten anhand des Nettoeinkommens verteilen.
Es gibt dabei ein paar Ausnahmen wie Lotto, was ja eigentlich eine dämliche Luxus-Ausgabe ist, die wir zu 50:50 aufteilen. Das ist aber auch ein verschwindent geringer Teil unserer Kosten.
Auch das Netto ist jetzt nicht mit dem spitzen Bleistift auf den Cent genau gerechnet, da es insbesondere bei mir variable Anteile wie Bereitschaftsgeld gibt oder das Job-Fahrrad aus dem Brutto gezahlt wird, dann wieder geldwerten Vorteil dazu gibt etc. Für diese Sachen rechnen wir einfach eine gute Schätzung aus.

    Geldfrau

    Liebe Pekka,
    ich danke dir für deine Erfahrungen!

Daniel

Ich habe meiner langjährigen Freundin mal diesen Blog gezeigt. Nachdem einiges an Überzeugungsarbeit nötig war, interessiert sie sich mittlerweile zumindest im Ansatz auch für ihre Finanzen. Ich habe im Vorfeld keinen Kommentar zu meiner Einstellung ggü. den hier veröffentlichten Artikeln abgegeben. Nach drei Artikeln kam sie zu mir mit der Aussage: „So ein feministisches und einseitiges Gequatsche“. Ich finde auch das gehört in eine Kommentarsektion.
Die Artikel beleuchten stets nur die Seite „Ich bin eine Frau, die systematisch benachteiligt ist“. Sich selbst in die Opferrolle zu stellen macht keinen Sinn.

Man bedenke nur einmal, wie ein Blog aufgenommen würde, der sich explizit nur an Christen richtet oder explizit nur an Heteros.

Einstimmig würde man diese Blogs verurteilen.

Viele Grüße

    Geldfrau

    Lieber Daniel,
    schön, dass deine Freundin sich jetzt auch für Finanzen interessiert. Noch schöner hätte ich es gefunden, wenn sie selbst kommentiert hätte. Von wegen Gequatsche und so 🙂
    Und gut, dass wir immer öfter über Geld reden und ihr auch miteinander. Opferrolle ist nämlich nicht. Nur mit aktivem Tun ändern sich die Verhältnisse.
    Alles Gute euch zweien!
    PS: nur mal so … es gibt jede Menge Männerzeitschriften für Weiße Heteros … Beef beispielsweise … 🙂

Matteo

Hallo Geldfrau,
Ich stimme dir im Lösungsvorschlag ganz zu. Kurzum, die Kosten bzw. der Einkommensverlust der Partnerin/Partners muss am tatsächlichen Einkommen (Gehalt & Zuschüsse wie z. B. Familiengeld in Bayern // ohne Kindergeld; das seh ich genauso – das gehört dem Kind) definiert werden und nicht 50/50 geteilt werden.
Als wir beide Vollzeit gearbeitet haben, teilten wir die Kosten bereits 60/40, allein weil meine Partnerin einfach weniger verdiente. Nach der Geburt unseres ersten Kindes wurde die Kosten 80/20 geteilt. Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach. Genauso wie ich Steuer Prozentual abrechne, (verdiene ich mehr zahle ich automatisch mehr Steuern) sollte das in einer Beziehung mit Kind/Kindern ebenfalls so herangegangen werden. Alles andere ist gegenüber der Mutter auch einfach respektlos; und falls das jemand anders sieht. Väter können auch Teilzeit arbeiten und Mütter Vollzeit. 😉

Toller Post. VG
Matteo

    Geldfrau

    Danke Matteo für dein Feedback, und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.
    Es ist ja ein kontroverses Thema … 🙂
    Grüße!

Klaus

Eine nach Einkommen gewichtete Verteilung der Kosten wäre auch noch ein fairer Ansatz.

    Geldfrau

    Jep Klaus, auch das geht. Finde ich auch.
    Oder alles in einen Topf, und dann das Leben bestreiten.
    Aber das ist nochmal was anderes.

Kris

Hallo Geldfrau,

Danke für diesen Beitrag über ein emotionales und wichtiges Thema.

Bei der Beispielrechnung für die Kita gehst Du davon aus, dass eine Kostenverteilung nach Leistungsfähigkeit gerecht ist. Dann müsste aber die Miete, die der Partner zahlt, auf Mariettas Einkommen angerechnet werden. (Evtl. müsste sie es sogar versteuern.) Also 2525 / 5525 = 45,7 % für Marietta, 54,3 % für ihren Partner.

Für die 40/60-Regelung spräche allerdings wiederum eine Aufteilung nach erhaltenem Wert, der z.B. darin liegt, dass beide arbeiten können. Durch das höhere Gehalt erhält Mariettas Partner einen größeren Wert, für den er entsprechend mehr zahlen sollte.

Auch den Ausgleich für Mariettas Einkommensverlust sehe ich nicht so eindeutig. Besonders, da ich Zeit mit dem eigenen Kind als sehr wertvoll erachte, auch wenn sie gleichzeitig (sehr!) anstrengend sein kann. Marietta bekommt ihre finanziellen Nachteile ausgeglichen, aber ihr Partner bekommt (erstmal) keinen „emotionalen Ausgleich“.

Der letzte Punkt soll vor allem verdeutlichen, wie unterschiedlich Dinge von unterschiedlichen Menschen bewertet (und damit auch bepreist) werden und wie schwer es dadurch ist, eine gerechte Lösung zu finden. Zumal manche Dinge schwer in Geld auszudrücken und zu verrechnen sind (Wieviel kostet es bei den ersten Schritten meines Kindes dabei zu sein?). Aber da kann ich Dir nur zustimmen: Das muss auf den Tisch.

    Geldfrau

    Liebe Kris,
    du hast mich ertappt. Bei den Kosten fürs Wohnen könnte man freilich auch nach Einkommen gehen. Und da sie nicht verheiratet sind, käme das eventuell auch einer Art Mieteinnahme gleich. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das in eheähnlichen Gemeinschaften nicht anders bewertet wird bei der Einkommenssteuer. Ich bin ja keine Steuerberaterin. Aber interessanter und überlegenswerter Gedanke.
    Das mit dem emotionalen Ausgleich ist auch ein spannender Punkt. Mariettas Partner könnte ja auch Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit mit dem eigenen Kind zu haben. Seine Vollzeit ist auch selbst gewählt. Zumal finanziell es wohl bei beiden mit Teilzeitjob zum Leben reichen würde.
    Auf jeden Fall bringt das Gespräch über Geld viel in Schwung. Und allein darum lohnt es sich, das Thema Fairness in der Partnerschaft in einer guten Stimmung zu besprechen.
    Danke für deinen wertvollen Input!

    Ana

    Bei Mieteinnahmen können anteilige Kosten gegengerechnet / abgesetzt werden, die mit Vermietung zusammenhängen. Denn eigene Immobilie kostet und zwar nicht wenig. Daher wäre da wahrscheinlich kaum was zu versteuern bzw. kaum ein zusätzliches Einkommen vorhanden. 🙂

    Geldfrau

    👌🏽

Tobias Ostler

Hallo Liebe Geldfrau,
an sich ein guter Artikel, ich finde dieses Thema essentiell für eine gute Beziehung, leider auch mit viel Emotionen behaftet und somit kann es auch leicht zu Reibereien kommen…

Ein Punkt finde ich aber bei Ihrer Aufstellung gekoppelt mit anderen Punkten eher fraglich:

„Krippenkosten halbe-halbe? Ist das fair?

Warum sich die beiden die Krippenkosten hälftig teilen, erschließt sich mir nicht. Wenn er mehr verdient, warum dann 50:50? Es geht ja um die Verteilung der Kosten, nicht um die Anzahl der beteiligten Menschen.“

In Verbindung mit den von Ihnen genannten Punkt „3“, finde ich die 50/50 Lösung als das Beste. Wenn der vollarbeitende Partner dem aufgrund von Erziehung einhergehenden teilzeitarbeitenden einen Ausgleich bis zum eigentlichen Gehalt ermöglichen kann, sind diese vollwertig gleich, egal ob Partner A Rechtsanwältin (Vollzeit) mit einem hohen und der Partner B Frisörmeister mit geringeren Einkommen ist. Auch das Argument des Kindergeldes ist an sich erstmal egal, wenn der Partner sein Kindergeldanteil dem anderen abgibt, ist das ein Geldzufluss zu Gunsten eben diesen. Es sollte selbstverständlich sein, das für ein Kind Geld aufgewendet wird, dahin gestellt sei ob in höhe vom Staatlichen Zuschuss oder höher.

Einen kleinen Nebenschauplatz muss ich leider noch ansprechen. Das propagieren vom Gender Pay Gap halte ich eher für eine Anfeindung zwischen Mann und Frau. Diese Vergleiche das eine Frau generell weniger verdient sind schlichtweg falsch. Eine Frau kann in Deutschland alles lernen ob Frisör oder Rechtsanwältin, wenn eben die Frauenquote für Berufe höher sind die generell schlecht bezahlt werden und das davor schon bekannt ist und diese dann Beruf übergreifend verglichen werden, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich vergleiche mein Gehalt auch nicht mit anderen Berufsspaten und beschwere mich „aber der Manager verdient viel mehr als ich!“. Das Gap kommt auch durch Teilzeit zustande. Was noch immer mehr Frauen, auch bedingt durch Kindererziehung machen. Hier werden Ausgleichszahlungen die vom Partner gemacht werden nicht einbezogen und es wird generell suggeriert das Männer (Vollzeitlohn vs. Teilzeitlohn) einfach 20% mehr verdienen, was aber aus genannten Punkten einfach logisch ist. Für mich eine Hexenjagd sondergleichen, ich behaupte nicht das es noch in unserer Gesellschaft verkrustetet Ansichten gibt, aber nicht überall ist das Übel Zuhause.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende.

T. Ostler

    Geldfrau

    Lieber Tobias,
    vielen Dank für eine Gedanken.
    Der Gender Pay Gap mag auf Männer wie eine Hexenjagd wirken. Weil sie nicht in dieser Situation sind. Wissenschaftlich gibt es da an der Aussage nichts zu rütteln.
    Mal hier lesen und hier und auch hier z.B.
    Für viele Frauen ist sie Realität. Sie werden beispielsweise bei der Einstellung in einen neuen Job behandelt wie die „zuarbeitende Ehefrau“, die freilich nicht so viel verdienen muss wie der Haupternährer. Da sind viele alte Denkmuster noch vorhanden. Die weniger werden, weil Personalabteilungen das freilich auch erkannt haben. Aber noch ist es Alltag.
    Wenn ich darüber schreibe, will ich die Geschlechter nicht aufhetzen. Es geht nur miteinander und mit reden, sichtbar machen. Vieles, was Alltag für Frauen ist, sehen Männer nicht. Wie auch. Durch das Sichtbarmachen kommen wir ins Gespräch. Dadurch wird Verständnis erzeugt und wir nähern uns an.
    Ich danke Ihnen für Ihre Meinung!
    Und auch Ihnen ein gutes Wochenende.

    Mort

    Ich glaube der Knackpunkt ist hier die Sichtweise, ob gesamtgesellschaftlich oder Einzelfall. Gesamtgesellschaftlich: Viele Frauen werden schlechter bezahlt bzw. im Durchschnitt werden Frauen schlechter bezahlt als Männer.
    Das sagt aber nichts über einen konkreten Einzelfall aus. Nur weil ich eine Frau bin, heißt das nicht automatisch, dass ich zu schlecht bezahlt oder unfair behandelt werde. Das Gegenteil kann der Fall sein. Umgekehrt kann ich auch als Mann zu schlecht bezahlt werden.
    Natürlich empfinden diese Männer (die wohl eher eine Minderheit sind), den Gender Pay Gap wie eine Hexenjagt. Dazu kommt glaube ich noch, dass Männer sich häufiger zu schlecht bezahlt fühlen, auch wenn das eigentlich gar nicht stimmt. 😉

    Geldfrau

    Wo du Recht hast, Mort.
    Die Statistik und Soziologie beziehen sich ja immer auf aggregierte Werte, nicht den empirischen Einzelfall. Und deshalb finden sich viele dann doch nicht wieder. Oder nur zum kleinen Teil. Und dass sich Männer auch gern mal schlecht bezahlt fühlen, glaube ich sofort 🙂

Christoph

Ich bin Vater, in diesem Monat werden wir das dritte Kind bekommen. Ich zweifle manchmal an unserem finanziellen Modell, das so völlig anders ist, als was hier beschrieben ist. Aber gerade bestärkt es mich, dass wir alles richtig machen. Wir haben uns 2010 kennengelernt und schon bald nach einer gemeinsamen Wohnung gesucht. Wie sollten wir die Miete teilen? Meine Freundin zahlte alleine 500, ich hätte mir alleine 700 leisten können. Wir fanden eine Wohnung für 1000 Euro warm und teilten 400:600, so hatte jeder das Gefühl 100 Euro gespart zu haben. Ein Jahr später verlobten wir uns, meine Frau hatte ein finanzielles Gap, das ich einfach mit meinen Ersparnissen geschlossen habe, 3500 Euro. Bald danach haben wir die Finanzen zusammengelegt. Ihre Bafögrückzahlung wurde fällig, in Raten hätte sie 10.000 zahlen müssen, mit Einmalzahlung waren es 8.300 Euro, da brauch man nicht lange zu überlegen, ich hab das beglichen. Jetzt habe ich ein Zweitstudium absolviert, es kostet nach Steuern 8500 Euro, wir brauchten nicht diskutieren. Ein Konto, beide Einkünfte drauf, alle Ausgaben runter, ich hab im Griff dass wir nicht im Dispo landen und schieße bei Bedarf vom gemeinsamen Tagesgeldpuffer nach. So ist das seit 2012. Wenn einer zum Geldautomaten geht, bringt er dem anderen was mit. Gerade führen wir mal ein Haushaltsbuch, weil wir uns wundern wo die ganze Kohle bleibt, nicht um irgendwas aufzuteilen. Wir haben beide ein Gespür, was geht und was nicht geht. Manchmal besprechen wir unsere Wünsche, manchmal drücken wir einfach aufs Knöpfchen und der Postbote liefert. Sicher, es gibt Streit. Wenn meine Frau täglich Päckchen bekommt. Wenn sie Dinge für die Arbeit kauft und nicht abrechnet. Wenn der Wunschzettel unendlich lang wird und sie dann fordert, dass ich aber garantiert Elternzeit machen MUSS, auch wenn da ein Haufen Netto wegfällt. Wenn ich von einer Party mit dem Taxi heimfahre, weil ich einfach mal ein paar Biere stemmen will und das Taxi 60 Euro kostet, was sie nicht einsieht, Und wir haben ein solide Basis. In 2010 hatten wir als Paar 3000 netto, jetzt zu fünft werden es 7500 sein. Diese stetige Anstieg führt dazu, dass wir gut die Wünsche von jedem erfüllen können. Da kann man vielleicht auch einfach großzügig sein.

Was da oben beschrieben wird mit Eurogenauer Zurechnung ist legitim. Ich kann nur sagen, ich finde unser Modell einfach eine Milliarde mal besser.

    Geldfrau

    Lieber Christoph,
    danke für deinen Kommentar! Und schön, wie offen und gemeinsam ihr euer Geld handhabt.
    Alles zusammenschmeißen geht vor allem dann gut, wenn beide ähnlich über Geld denken, ein ähnliches Konsumverhalten haben, sich nicht besitzen und den anderen kontrollieren wollen.
    Das aber ist nicht bei allen Paaren so. Beim Geld prallen unsere Einstellungen zum Leben, zu Menschen, zu Erwartungen an Partner:innen aufeinander. Sind sie verschieden, von schlechten Erfahrungen und Verletzungen geprägt, von Vertrauensbrüchen etc. braucht es eigene Finanzmodelle.
    Wichtig ist, dass beide sich gut damit fühlen und keiner abhängig oder ohnmächtig.

Andreas

Sicher ein schwieriges Thema, was die beiden nur unter sich lösen können. Natürlich ist es trotzdem nicht verkehrt, hier ein bisschen was von anderen zu hören, wie sie das angehen, aber bei jedem ist die Lage ja auch ein wenig anders. Ein Gemeinschaftskonto macht auf jeden Fall Sinn und die Kosten für das gemeinsame Kind können auch sicher nach Einkommen geteilt werden. Aber sonstige Kosten finde ich, sollten durchaus hälftig geteilt werden. Alles andere verleitet nämlich meiner Meinung nach dazu, dass der weniger verdienende über seinen eigentlichen Verhältnissen lebt und dadurch vom Partner abhängig wird. Man sollte sich immer nur das leisten, was man sich auch mit seinem eigenen Einkommen leisten kann.

Um hier tatsächlich Empfehlungen zu geben, was die beiden machen könnten, fehlen aber jede Menge Informationen und alle Vorschläge sind eigentlich nur wilde Spekulationen. Wie kommt man zB. auf 45€ anteilige GEZ pro Monat? Soweit ich weiß, kostet die 17,50€ pro Haushalt und nicht 45€ pro Person. Dazu wird auch nichts über die Lage des Mannes gesagt. Vielleicht empfindet er es auch als Nachteil, Vollzeit arbeiten zu müssen und hätte lieber mehr Zeit mit dem Kind? Es gibt nämlich durchaus auch Frauen, die die Kindererziehung regelrecht an sich reißen und dem Mann gar keine andere Wahl lassen.

    Geldfrau

    Die Kommentare sind im Grunde auch Teil des Posts. Eure Kommentare – und deiner. Danke dafür.

Michael

Das ist ja ein grotesker Beitrag?!
– Er soll also „Miete“ bezahlen für ein Objekt, das sich die Partnerin (vermutlich unabhängig von evtl. Partnern) gekauft hat. Sprich, er soll sich an den singulär getroffenen früheren Entscheidungen der Partnerin bzw. den Konsequenzen daraus beteiligen. Hätte sie Konsumschulden, müsste er die dann auch begleichen, weil es sonst „ungerecht“ wäre? Überhaupt, diese moralischen Keulen mit „unfair“, „ungerecht“, etc. Wer maßt sich denn ernsthaft an, darüber zu urteilen? Finanzblogger? Na dann gute Nacht.
– Gleiches gilt für die Teilzeitregel. Jammernde Frauen, die „dem Kind zuliebe“ (ich vermute eher sich selbst zuliebe) die Arbeitszeit reduzieren und dann bitte aber die Lohndifferenz erstattet haben wollen, sind für mich der Inbegriff von Egoismus. Sie allein entscheidet, wie viel sie arbeiten will. Aus welchen Gründen auch immer. Von „unfair“ zu reden, weil ihr Partner offenbar – ob bewusst oder unbewusst – einfordert, dass sie diese Entscheidungen dann auch alleine schultert, halte ich schlicht für absurd.
– Krippenkosten dürfen also nicht hälftig geteilt werden, wenn das Einkommen nicht exakt gleich ist, aber die Vermögenssituation der Partnerin zählt nicht? Wenn ich mir eine ETW kaufen kann, sollte ich bei solchen Pfennigfuchserideen sehr, sehr vorsichtig sein. Das scheint mir hier eh so ein wunder Punkt zu sein: Wenn ich (ob berechtigt oder nicht) das Gefühl habe, ich könnte mehr Geld gebrauchen, ist der neidische Blick auf den Partner leider grundsätzlich die falsche Idee. Infragekommen dann Jobwechsel, Arbeitszeiterhöhung, Verkauf der ETW etc. Selbst gezogene Tabus sind kein Argument.
– Der einzige Punkt, dem ich zustimme, ist die Notwendigkeit einer Absprache im Vorfeld (!!) solcher tiefgehender Veränderungen. Dann wäre der Fragestellerin wohl schon aufgefallen, dass Radikal-Feminismus und Familienplanung zumeist eine, naja, toxische Mischung sind. Zumindest hätte sie dann vermutlich gar niemanden an ihrer Seite, dem sie ihre finanzielle Vorstellung von „fair“ näherbringen darf. Müsste sie ihr Anliegen dann vielleicht dem Amt schildern und versuchen, den Teilzeitausgleich zu bekommen;-)

    Geldfrau

    Hi Michael,
    dürfen, sollen … wie die beiden das für sich aushandeln, ist ihre Sache. Im Post geht es um Denkanstöße. Keine Blaupausen.
    Und es geht ja genau darum, sich auszutauschen, Lebensentwürfe zu entwerfen, gemeinsam, nicht konfrontativ. Als Familie zusammenwachsen.
    Ohne Belehrungen, Unterstellungen, Angriffe.
    Gerechtigkeit ist ein Grundwert unserer Gesellschaft, ein Kitt, den du sicherlich auch für dich persönlich schätzt.
    Alles Gute dir!

Fixie Hartmann

Hallo,
ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass Elternschaft und Kinder-Bekommen eine komplexe und uneindeutige Angelegheit ist. Z.B. hat meine Partnerin einen Kinderwunsch, während ich weitere Kinder ablehne, da mich unsere bisherigen Kinder vollkommen auslasten und glücklich machen. Da wir unterschiedliche Lebensansichten haben, bleibt da nur ein Kompromis zu schließen (oder im allerschlimmsten Fall die Trennung). Ein weiteres Kind bedeutet gleichzeitig die unvereinbarkeit von weiterer Karriere/Weiterbildung und Familie für uns beide. Sie trägt deshalb in dieser Entscheidung m.M.n. die alleinige Verantwortung, da die Entscheidung des Kinderbekommens lediglich ein Kompromiss mit meiner Gegenposition ist. Mit allen zukünftigen Konsequenzen!

Ich finde das Argument mit „die arme Frau muss(?) sich ja um die Kinder kümmern muss und auf Karriere verzichtet, während der Mann seine Karriere Macht“ viel zu vereinfachend, einseitig und auch mindestens eine Generation (X) veraltet. Mittlerweile gibt es auch eine Generation von Vätern, die in Elternzeit auch über 2 Monate geht, Teilzeit arbeitet, jeden Tag die Kinder zur Kita bringt und abholt, essen kocht und Wäsche legt.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob du Frau oder Mann bist, sondern ob du dich um deine Kinder kümmerst. Das ist das eigentliche Kardinalsproblem auf ganz vielen Ebenen unserer Gesellschaft. Ich tue es jedenfalls im großen Umfang und erlebe genau die Benachteiligungen, die so oft einzig Frauen zugeschrieben werden. Der Gerechtigkeits-Diskurs ist völlig simplifiziert und subjektiv verblendet, da Finanzen nur ein abgeleiteter Aspekt eines komplexen Entscheidungsraumes sind.

    Geldfrau

    Lieber Fixie,
    die junge Generation ist in der Tat schon auf einem anderen Familienlevel, einem mehr gemeinsamen. Was sehr schön ist, wenn auch Männer Väter sein wollen und dürfen mit allem, was dazu gehört. Und das auch mehr als 2 Monate in Elternzeit.
    Die entscheidende Frage ist in der Tat, wer sich als Elternteil überwiegend kümmert. Das ist – siehe Corona – leider oft immer noch überwiegend Frauensache.
    Den Gerechtigkeits-Diskus abzutun als „subjektiv verblendet“ verstehe ich nicht. Es ist ihr Gefühl. Und das trügt nicht. Und es macht sich am finanziellen fest. Womöglich gibt es noch andere Bereiche in der Beziehung, die als ungerecht, unfair – auf jeden Fall nicht stimmig – empfunden werden.
    Familie ist stets eine komplexe Angelegenheit, wie du schreibst. Wir haben aber (fast) immer eine Wahl.

Mai

Wir haben auch schon vor der Ehe mit drei Girokonten gearbeitet (ein Gemeinschaftskonto und jeder ein weiteres). Damals haben wir beide ähnlich wenig verdient und aufs Gemeinschaftskonto wurde 50/50 eingezahlt. Manchmal haben wir diskutiert, ob etwas vom Gemeinschaftskonto gezahlt werden sollte oder nicht, aber im Groben und Ganzen kam das so hin. Im Prinzip war es da so, dass wir grob die Gemeinschaftskosten berechnet hatten und das wurde 50/50 aufs Gemeinschaftskonto gezahlt. Was über blieb, hatte jeder für sich, auch wenn es nicht identisch war.

Seit wir verheiratet sind, hat sich das etwas verschoben. Aktuell verdienen wir sehr unterschiedlich (mein Mann macht eine weitere Ausbildung, ich arbeite voll). Und im Prinzip haben wir so grob ein „Taschengeld“ für jeden festgelegt, was jeder auf seinem eigenen Konto behält und der komplette Rest kommt auf das Gemeinschaftskonto. (Also anstelle dass der gemeinsam-Betrag fest ist, ist vielmehr der „soviel behält jeder für sich“-Betrag fest) Dadurch, dass wir jetzt mehr in den „gemeinsam“-Pott werfen, bleibt da auch mehr über und mittlerweile besparen wir auch ein gemeinsames Depot und haben auche ne gemeinsame Notreserve. Ich weiß aber nicht, ob ich mich damit vor der Ehe so wohlgefühlt hätte.

Spannend wird es natürlich, wenn jetzt irgendwie bei einem höhere (Einmal?-) Kosten anfallen, die er mit dem eigenen Geld nicht zahlen könnte, aber gemeinsam ginge das. Aber das sind dann wohl Sondersituationen, die man dann eh im Einzelfall absprechen muss 🙂

    Geldfrau

    Hi Mai,
    als Paar hat man ja im besten Fall eine gemeinsame Lebensvision, einen Lebensentwurf, weil man sich liebt. Und ich sehe es dann so: Mal gibt der eine mehr, mal der andere. Nicht nur finanziell zu verstehen. 🙂 Und es gleicht sich hoffentlich über die gemeinsamen Jahre aus. Und wenn nicht, muss jede:r für sich entscheiden, ob es einem das Wert ist. Denn es ist ja wunderschön, den Menschen, den wir lieben, zu unterstützen. Nur wenn es einseitig ist wird es irgendwann problematisch.
    Danke für deinen Kommentar!

Franziska

Ich liste jetzt mal Eigenschaften auf, die für 70-80% deines zukünftigen Einkommens stehen:
– Fleiß und Engagement,
– Leistung (fachliche Kompetenz),
– soziale Kompetenz, Teamfähigkeit
– Charisma.
Welche davon sind spezifisch weiblich und welche sind spezifisch männlich? Lässt sich nicht eindeutig sagen, oder?

Jetzt liste ich mal (negative) Eigenschaften auf, die 20-30% deines zukünftigen Gehaltes ausmachen:
– Du kümmerst dich weniger um deine Kinder als dein Partner,
– d.h. auch der Job hat für dich zeitliche Priorität gegenüber Familie
– Ein Teilzeitgehalt kommt für dich nicht in Frage.
– Du bist sehr Durchsetzungsstark,
– Härte und List gegenüber Konkurrenten, d.h. Du kannst, wenn es darauf ankommt, Gegewehr leisten oder gehts „metaphorisch“ über Leichen.
– Du hältst sehr viel von dir und deinen Fähigkeiten

Welche dieser Eigenschaften würdet Ihr Männern oder Frauen überwiegend zuschreiben? Das ist natürlich nur ein Gedankenexperiemnt, aber ein auch valider Erklärungsansatz…

Solange die Dinge der 2ten Liste zu mehr Gehalt führen wird es immer eine Genderpaygap geben. Einige Vergessen, dass der Fehler im bestehenden System liegt und nicht im Geschlecht.

    Geldfrau

    Hi Franziska,
    dass der Fehler im System liegt ist offensichtlich. Und das hat mit dem Geschlecht zu tun. (Der Herkunft, der Sprache, des Kulturkreises, der Hautfarbe…. you name it)
    Das, was du beschreibst, sind genau die klassischen Stereotype, wie die Gesellschaft Menschen einordnet. Wo Frauen und Männer da landen ist wissenschaftlich bis ins Kleinste untersucht und öffentlich zugänglich publiziert.

    Warum gibt es in Deutschland keine einzige Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns? Weil Frauen … was sind? Die Punkte deiner Kategorie 2 sind vor allem die, die zu höheren Karriereschritten, zu mehr Führungsverantwortung und damit mehr Einkommen führen. Nicht die, die du bei 70% auflistet. Das sind für niedrig bezahlte Jobs vielleicht die Relationen. Nicht für hochbezahlte mit Verantwortung. Da zählt kein Fleiß, da zählen Durchsetzungsfähigkeit, Selbstvertrauen, Zeit.
    Der Fehler liegt im System. Wollen wir als Gesellschaft weiterkommen, müssen wir es sichtbar machen. Ein System, das jahrhundertelang von Männern rechtlich geformt wurde. Auch, wenn das nicht die heutigen Männer sind, lebt unsere Geschichte in uns fort. Über Generationen.
    Lies mal das BGB des Jahres 1950. Oder schau dir „Little Woman“ an …
    Oder hier schmökern.

Sebastian

Eine Frage an die Geldfrau:
Wenn ich das Modell nach der Kostenverteilung auf Grund des Einkommens nehme (Partner1: 7000€, Partner 2: 3000€; 70/30), habe ich dann nicht als besserverdienender Partner den Anreiz weniger zu arbeiten (->Teilzeit, mehr individuelle Freizeit), somit meine individuellen Kosten zu senken und indrekt dem anderen Partner aufzudrücken? Ich meine man hat zwar weniger Geld, aber dafür auch viel mehr Freizeit. Der Partner 2 hingegen hat weniger Geld oder Freizeit, da er eine höhere Kostenbelastung fürs Einkommen hat. Muss man nicht das Gehalt auf einen 40h Lohn hochrechnen, damit es vergleichbar/gerecht wird?

Das scheint mir ein generelles Problem bei Einkommen zu sein.

    Geldfrau

    Hi Sebastian,
    eine interessante Überlegung. Warum sollte ich aber den Anreiz haben, weniger zu arbeiten, damit meine „Kostenbelastung“ aus dem gemeinsamen Leben sinkt? Ich gehe ja prinzipiell davon aus, das, wenn zwei zusammenleben und ein Kind haben, sie sich lieben und füreinander sorgen wollen. Du würdest es auf eine Nutzenmaximierung der Partner zuspitzen. Eine ökonomische Betrachtung, bei der der Einzelne versucht, seine Wohlfahrt zu steigern.
    Bei dieser Betrachtung wird vernachlässigt, dass wir Menschen soziale Wesen sind. Und als solche z.B. glückliche Partnerschaften und für andere da zu sein als erstrebenswerte Güter ansehen, die wir nicht in Geldeinheiten bewerten oder gar kaufen können. Was höher bewertet wird, ist individuell.
    Hm.

Christine

Himmel, die Reaktionen mancher Männer hier zeigen ja mal wieder in aller Deutlichkeit, wie wahnsinnig viel leider noch zu tun ist. Ich habe manche Kommentare vor lauter Augenrollen kaum lesen können. Liebe Geldfrau, vielen herzlichen Dank für Deine Arbeit hier und große Bewunderung für die aufgebrachte Geduld!

    Geldfrau

    Lieben Dank Christine. 🙂

Beate

Unser Modell: alles Einkommen (Gehälter, Kindergeld etc) zunächst auf ein gemeinsames Konto, davon gehen dann auch alle gemeinsamen Kosten ab. Zusatz-Rentenversicherung für denjenigen, der wg der Kinder weniger Std erwerbstätig sein kann. Der Rest wird als „Taschengeld“ zwischen beiden Partner aufgeteilt und auf die jeweiligen individuellen Konten überwiesen. Vorteil : man muss nicht immer alles neu rechnen, wenn mal der eine mehr arbeitet und dann die andere.

    Geldfrau

    Liebe Beate,
    ein Modell auf Augenhöhe, Miteinander, Verständnis und bei dem sofort klar ist: Ihr seid ein Team. 🙂

James

Einseitige Betrachtung mit Doppelstandard. Warum soll beim Einkommen ein anteiliger Ausgleich stattfinden, beim „Immobilienertrag“ aber nicht? Es wird gesagt es sei ihre Sache (sowohl Chance als auch Risiko), wenn sie sich eine Immobilie anschafft und er hat dann eben Miete zu zahlen. Aber es soll nicht seine Sache (sowohl Chance als auch Risiko) sein, wenn er sich reinhängt und es zu einem gut bezahlten Job schafft? (Modulo <6% Einkommensunterschied durch strukturelle Frauenbenachteiligung, die ich gar nicht leugnen will). Klar, der Teil des Einkommenunterschieds der aus Redzuierung auf Teilzeit (nur soweit zwecks Kinderbetreuung?!) resultiert, sollte ausgeglichen werden. Aber der restliche Einkommensunterschied, der durch entsprechende Entscheidungen/Aufwendungen in der Vergangenheit entstanden ist (siehe Wohnung), doch nicht. Oder eben doch, aber dann sollte man das mit der Miete vielleicht auch lassen.

Toll finde ich in dem Zusammenhang die Kommentatoren (sic), die sowohl den Einkommensunterschied ausgleichen als auch zusätzlich Entlohnung für die Kinderbetreuung in der Zeit fordern.

Zumal man an der Stelle dann vielleicht wieder die gleiche Überlegung wie mit der Wohnung anstellen könnte: Wenn einer der beiden das Kind viel mehr wollte als der andere (hypothetisch), sollte die Aufteilung der Kosten dann hälftig sein?

Nur als Denkanstöße. Letztendlich ist es so, dass die beiden sich einig werden müssen.

    Geldfrau

    Wie wir es auch drehen und wenden, ohne Reden kommen wir aus der Nummer nicht raus. Und ohne eine gewisse Großzügigkeit und Gelassenheit auf beiden (!) Seiten auch nicht. 🙂


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