Gut sortiert - so sollten Sie auch ihr Haushaltsbuch führen

Haushaltsbuch führen – machen Sie auch diese 5 Fehler? So geht’s besser.

18. Sep 2018

Ein Haushaltsbuch führen? Geht’s noch? Wie unsexy. Altmodisch. Langweilig!!! Außerdem verschlingt das Zeit. Stimmt alles. Aufregend ist anders.

Obwohl: So unaufregend ist das gar nicht. Wenn Sie das durchhalten mit dem Haushaltsbuch und alle unregelmäßigen Ausgaben aufschreiben, werden Sie erstaunliche Aha-Erlebnisse haben. Und sich darüber womöglich aufregen. Über sich und die Familie – für was alles so Geld ausgegeben wird. 🙂

Haushaltsbuch führen – wieso das denn?

Ganz einfach.
– Sie wissen dann, wofür Sie im Einzelnen (!) Ihr Geld ausgeben.
– Sie erkennen Konsumgewohnheiten.
– Die monatlichen Ausgaben lassen sich besser kontrollieren.
– Und: Sie lernen das Sparen.

Ein Haushaltsbuch verändert das Leben

Das Verblüffendste bei der Ausgabenbilanz ist: Sie erkennen Ihre Konsumgewohnheiten. Ausgedrückt in Euro-Beträgen. Ungeschönt.

Oder wissen Sie auf Anhieb, wieviel Sie der Süßigkeiten-Hunger der Kinder kostet? Oder Ihr eigener? Was für Kuchen, Alkohol oder Kaffee draufgeht vom Monatsbudget? Oder für Restaurantsbesuche, Bücher, Kino, elektronische Kommunikation ala Netflix, Kabel, Handyvertrag?

Und damit, wie und wovon Sie täglich leben, sich ernähren, sich unterhalten lassen?

Wenn Sie noch nie Ihre unregelmäßigen Ausgaben aufgeschrieben haben, ahnen Sie das vielleicht. Sie wissen es aber nicht. Für Veränderungen aber benötigen wir Fakten, eine Ahnung genügt nicht.

Ein Haushaltsbuch verändert folglich das Leben. Und das ist nicht übertrieben! Sie fangen an, Ihren Umgang mit Geld zu reflektieren, weil Sie ihn sehen, Ihre Gewohnheiten sehen. Das setzt vieles in Bewegung.

5 Fehler beim Haushaltsbuch führen

Wenn Sie monatlich ein Haushaltsbuch führen, kann es schon mal drunter und drüber gehen. Vermeiden Sie diese 5 Fehler bei Ihrer Ausgabenbilanz, sonst bringt sie wenig.

1.  Ausgaben unsortiert addieren

Obst, Bleistifte für die Kinder, Brot, Shampoo, Nudeln, Gemüse, Quark, Geschenke, Kinobesuch, Restaurant, Schuhe, Süßigkeiten … alles addiert zu einer Summe. Alles durcheinander.
Welche Aussage hat das?
Nur eine: Ich gebe 845,88€ oder 289,50€ oder … im Monat für alles Mögliche aus. Okay. Das ist ein Anfang. Mehr aber auch nicht. Es ist viel Arbeit für wenig Aussage.
Wenn Sie wissen wollen, wie hoch Ihre Ausgaben in der Summe sind – okay. Wenn Sie mehr wissen wollen, reicht das nicht.

2.  Händisch alles in ein Buch schreiben, ohne Struktur und Vergleichsmöglichkeit

Wenn Sie Ihre Ausgaben hintereinanderweg in einem Heft erfassen, ohne sie nach den immer gleichen Kategorien zu sortieren, entgeht Ihnen ein großer Mehrwert vom Haushaltsbuch.
Denn nur mit Kategorien lesen Sie aus den Ausgaben Wichtiges heraus.

Nur Kategorien lassen Sie Konsum-Gewohnheiten erkennen als Startpunkt für Veränderungen. Und: Um hinterfragen zu können, ob Sie Ihr Geld wirklich für das ausgeben, was Ihnen wichtig ist.

Außerdem sehen Sie, was Sie den Monat zuvor ausgegeben haben. Im Restaurant, für Wein, Süßigkeiten, Unterhaltung, Fleisch, Alkohol, Nudeln oder Gemüse. Dieser Vergleich innerhalb der Kategorien gibt Ihnen Ideen, wo langfristige Einsparpotentiale liegen.
Und Sie sehen durch den monatlichen Vergleich auch, wie Ihre Ausgaben schwanken, wann sie sinken oder steigen. So können Sie Ihr Monats-Budget über das Jahr besser steuern.

3.  Regelmäßige und unregelmäßige Ausgaben zusammen schmeißen

Die regelmäßigen Ausgaben wie Miete, Mietnebenkosten, Versicherungen, Kita-Gebühren, Fahrtkosten zum Job etc. erfasse ich nicht in einem Haushaltsbuch. Die habe ich in einer Exel-Tabelle notiert. Denn Sie sind jeden Monat gleich. Da brauche ich sie nicht ständig neu aufzuschreiben.

Erfassen Sie nur unregelmäßige Ausgaben beim Haushaltsbuch führen. Und die sehen Sie sich dann an.

4. Eine zu mächtige Haushalts-App benutzen

Ich weiß, Apps sind fix zur Hand auf dem Smartphone. Sie sind hipp und Zeitgeist. Bisher habe ich aber keine Haushalts-App für das Smarte gefunden, in der ich schnell und einfach meine unregelmäßigen Ausgaben erfassen kann. Immer ist die Programmierung zu fett, zu viel Schnickschnack, zu viel Kapazitätsverbrauch auf meinem Handy.

Und: Es dauert mir zu lang – das Eintippen der Ausgaben. Täglich. Die Tasten sind klein, das Display auch, nicht alle Apps sind intuitiv. Zu viele Einstellmöglichkeiten. Mich lenkt das ab und nervt.

Was aber cool ist: Die Apps liefern aussagekräftige Statistiken. Das gefällt mir, geht aber auch mit Excel.

Ich finde: Das Haushaltsbuch führen muss einfach sein und schnell gehen. Deshalb nutze ich eine Excel-Tabelle am Computer. Ich sammle alle Belege und tippe sie am Wochenende in meine Kategorie-Detail-Tabelle ein. Fertig ist der Lack! Dauert vielleicht 15 – 20 Minuten.

5.  Nach 2 Wochen aufhören, weil es zu aufwändig erscheint

Ja, wir Menschen sind faul. Wir müssen etwas wollen, damit wir nicht in unserer Faulheit versinken. Ist so. Unser Gehirn versucht, Energie zu sparen, und was nicht lebensnotwendig ist, wird vermieden. Es ist noch im Urmodus, wo das Nahrungsangebot knapp war.

Heißt: Wenn Sie keinen Sinn darin sehen, eine persönliche Ausgaben-Bilanz zu ziehen, wird das auch nix werden. Fehlt Ihnen der Wille, Neues zu entdecken und sich selbst besser kennen zu lernen, dann werden Sie es auch das Haushaltsbuch führen nicht durchhalten.

Besser:

1. Bilden Sie Kategorien & Unterkategorien Ihrer Ausgaben

Zum Beispiel bei Lebensmitteln: Wurst, Fleisch, Milchprodukte, Käse, Obst+Gemüse, Süßigkeiten etc. Jedes eine eigene Detailkategorie der Oberkategorie Lebensmittel.

Detailkategorien für ein cleveres Haushaltsbuch führen

2. Summieren Sie die Ausgaben über die jeweilige Detailkategorie hinweg

Dann sehen Sie beim Haushaltsbuch führen, wieviel Sie im Monat für Obst oder Gemüse ausgeben, für Fleisch oder Wurst, Restaurant, Geschenke oder Kosmetik. Diese Zahlen sind aussagekräftig, wenn Sie wissen möchten, wo genau Ihr Geld bleibt.

3. Eine schlichte Excel-Tabelle geht schneller

Das ist zwar nicht hipp wie eine App, kostet aber weniger Zeit. Sie können zum Haushaltsbuch führen aber auch ein schlichtes Buch oder Schulheft verwenden, wenn Sie gern mit der Hand etwas aufschreiben. Aber auch dann bitte: Detailkategorien bilden.

4. Mindestens 2 Monate durchhalten, besser 3 Monate

Erst dann ergibt sich ein Bild Ihrer Ausgabegewohnheiten und die Ihrer Familie. Erst diese Erkenntnis ist der Ausgangspunkt für Veränderung. Ob für neue Essgewohnheiten, ein strafferes Unterhaltungsprogramm oder einer anderen Art des Urlaubs.

Das Wichtigste von allem: ANFANGEN! Nehmen Sie Ihr Geld wichtig, bevor es zu wichtig wird in Ihrem Leben (weil Sie im Dispo feststecken, Schulden haben, kein Geld für den Vermögensaufbau da ist)

 

Im Interview – Per, der eiserne Haushaltsbuch-Schreiber

Sie brauchen noch etwas Motivation, um mit dem Haushaltsbuch führen zu starten? Noch Tipps und Erfahrungswerte? Dann kann Per von Geldverstehen.de helfen. Er schreibt seit Jahrzehnten seine Ausgaben auf. Sehr diszipliniert! Deshalb habe ich mit ihm gesprochen.

ein Haushaltsbuch führen gehört für zum Tag Per dazu

Per, seit wann schreibst du in ein Haushaltsbuch? Und wie machst du das ganz praktisch, mit Buch, per Excel-Tabelle, mit einer App?

Per: Seit dem ich 16,17 bin, schreibe ich alle meine Ausgaben auf. Ich habe dabei fast alle Varianten ausprobiert. Zettel und Stift, Apps, Software, Excel. Am Anfang habe ich mir sogar mal selber ein kleines Programm geschrieben. In den letzten Jahren nutze ich aber Google Tabellen. Ich habe einfach ganz konkrete Vorstellungen, wie und was ich notieren möchte. Und mit einer Tabellenkalkulation bin ich da extrem flexibel beim Haushaltsbuch führen!

Nennst du das auch für Dich Haushaltsbuch? Klingt so … altertümlich.

Per: Ich würde es schon als Haushaltsbuch bezeichnen. Meine Tabelle heißt aber schlicht “Finanzen”. Das klingt in der Tat irgendwie ansprechender. 🙂

Untergliederst du stark – nenn’ mal deine wichtigsten Kategorien.

Per: Nein, ich halte es lieber sehr “lean”. Es muss in erster Linie einfach sein. Ich unterteile in Ausgehen, Haushalt, Auto, Reisen, Kleidung und Sonstiges. Das sind die Kategorien, die ich im Blick behalten möchte.

Was liest du daraus am Monatsende für dich ab? Was bewirkt das? Und hat sich etwas grundlegend verändert durch dieses Aufschreiben der Ausgaben?

Per: Ich nenne es für mich “Bilanz ziehen”. Das mache ich immer zum Monatsanfang (übriges mit allen anderen finanziellen Bereichen auch). Ich würde sagen, den größten Effekt hat das Notieren beim Aufschreiben selbst.

Sobald man alles aufschreiben “muss”, geht man automatisch anders mit seinem Geld um. Aber klar, wenn ein Posten am Monatsende zu hoch ausfällt, dann ändert sich schon mein Bewusstsein dafür.

Warum hast du überhaupt angefangen mit dem Haushaltsbuch führen? Und hast du etwas daran verändert über die Jahre?

Per: Ich habe es schon immer vorgelebt bekommen, wie ein Haushaltsbuch geführt wird. Angefangen habe ich damit, als Geld in meinem Leben eine größere Rolle gespielt hat und ich mir dieses besser einteilen musste. Außerdem habe ich, glaube ich, gerne die Kontrolle über solche Dinge in meinem Leben. Ich kann es mir nicht mehr ohne vorstellen. Die Art und Weise hat sich immer wieder verändert, bzw. ich habe es immer wieder angepasst.

Du hast sicherlich auch einen Schweinehund … was machste, wenn du so gar keine Lust auf’s Aufschreiben hast? Wie motivierst du dich?

Per: Ich habe da einen kleinen “Trick” entwickelt für Situationen, in denen ich mir nicht jede Ausgabe aufschreiben und merken kann. Zum Beispiel im Strandurlaub kann das schon mal lästig werden, jeden Kaffee und Snack im Kopf zu behalten. Also schreibe ich mir vorher den Betrag auf, den ich dabei habe und ziehe hinterher “Bilanz”. Das hat sich für mich sehr gut bewährt.

Hast du eine Routine? Ich mach’ das ja am Wochenende für die vorangegangene Woche. Wie bleibst du dran?

Per: Routine ist das Stichwort! Ich mache es immer sofort. Ich tippe es kurz in mein Handy ein, wenn ich das nächste Mal am Rechner bin, übertrage ich die Ausgaben in meine Tabelle.

Hast du Freunden davon erzählt und wenn ja, wollen die das auch gleich machen oder lachen die eher über dich. Wie sind deine Erfahrungen?

Per: Ausgelacht wurde ich noch nie. Ich bin immer erstaunt, wie wenig Menschen sowas für sich machen. Ich bekomme eher zu spüren, dass es wohl etwas Ungewöhnliches ist.

Am Ende bitte der ultimative Tipp beim Thema Haushaltsbuch – nur EIN Satz bitte!

Per: Anfangen und so lange durchziehen, bis es zur Routine wird. (Das Ergebnis wird dann für sich sprechen. 😉

 

Zum Weiterlesen

+ Per hat die besten Methoden und Regeln zum Haushaltsbuch führen auf seinem Blog
+ für Paare: das Workbook für den Finanzüberblick von den Beziehungs-Investoren, ebenso zum Haushaltsbuch führen

 

Gemeinsam Loslegen

Wenn Sie jetzt voller Tatendrang sind, sich aber Hilfe wünschen und am liebsten auch gleich tiefer einsteigen möchten in das Ordnen Ihrer Finanzen, dann sehen Sie sich meinen Geld-Workshop und das Online-Tutorial an. Dort verrate ich Ihnen noch ganz andere Tipps zum Haushaltsbuch führen. Sie werden sie lieben!

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Das sagen Sie dazu

Lilly
0

Hallo,

nach 10 Jahren Haushaltbuchführen ist selbiges für mich zur Routine geworden und zum absoluten Muss. Jeden Freitag setze ich mich hin und schreibe alles in meinen PC. Einschließlich aller Konten, so dass ich am Ende eine kompletten Überblick habe. Bei mir hat sich das zur privaten Buchhaltung gewandelt, aber ich mache das mittlerweile gern, gerade wenn man dann mal zurückschaut und sieht, wie sich alles entwickelt und auch immer wieder verändert hat (Kinder zB).

Für den Urlaub hat sich bei uns eine einfache Exceltabelle im Handy bewährt, die vor dem Urlaub schon mit dem Budget gefüttert wird und während des Urlaubs abends oder zwischendurch mit den Ausgaben. Nach dem Urlaub übertrage ich dann nur die Summen (Benzin, Essen gehen, Unterkunft, …) in mein Haushaltbuch.
Ansonsten bin ich ich fleißiger Kassenzettelsammler und liebe es, den Überblick über meinen Finanzen zu haben! Denn das war leider nicht immer so. Da widerspreche ich Per, wenn er schreibt, mit einem Haushaltbuch würde der Streit ums Geld sinnlos werden. Das muss nicht unbedingt so sein, denn man sieht dadurch zwar, wo das Geld bleibt, aber wenn man als Partner widersprüchliche Einstellungen zum Geldausgeben und Sparen hat, hilft das auch nicht weiter. Ganz besonders bei einem gemeinsamen Konto. Auch das habe ich spät gelernt, dieser Fehler passiert nicht noch einmal.

Tom
0

Ich führe jetzt seit 2 Monaten ein „Haushaltsbuch“, untergliedere aber nicht besonders stark. Mir reichen die Kstegorien Ernährung, Ausgehen, Kleidung, Unterhaltung, Mobilität. Statt Tabellenkalkulation nutze ich den „Budgetplaner“ von der Sparkasse, den man unter https://budgetplaner.beratungsdienst-guh.de/ findet. Nutzbar am PC aber eben auch mobil. Das erleichtert die Eingabe, wenn ich unterwegs bin.

    Geldfrau
    0

    Lieber Tom,
    es ist immer die Frage, was mit dem Haushaltsbuch erreicht werden soll. Wer seine Konsumgewohnheiten durchschauen und ändern will, muss mit detaillierteren Kategorien arbeiten. Wenn es nur um Größenordnungen an Ausgaben geht, reichen grobe Kategorien.
    Grüße!


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