ein gemeinsames Konto als Haushaltskasse ist ein guter Weg für Paare mit getrennten Konten

2 Konten +1: Ein gemeinsames Konto bringt mehr Fairness in die Partnerschaft

27. Mai 2018

Sie bezahlt die Einkäufe für die Familie; er zahlt das Auto, das er auch meistens fährt. Sie kauft die Klamotten für die Kinder. Er begleicht die Rechnung im Restaurant und große Teile des Urlaubs. Ein gemeinsames Konto haben sie nicht.

Getrennte Konten, gemeinsame Ausgaben

Sie leben zusammen. Seit Jahren. Erst ohne Kinder. Dann mit. Gleich zu Anfang haben sie sich für getrennte Konten und gegen ein gemeinsames Konto entschieden. Jeder hat also sein Geld. Beide arbeiten Vollzeit. Er verdient mehr als sie. Der Klassiker.

Die Miete und alles zum Wohnen teilen sie sich je zur Hälfte. Sie überweist ihren Anteil auf sein Konto. Er zahlt die Summe an den Vermieter, überweist die Nebenkosten.

Eigentlich alles kein Problem.

Wäre da nicht dieses Gefühl, das sich immer schlechter unterdrücken lässt.

Unwucht in den gemeinsamen Finanzen

Dieses Gefühl, das an ihr nagt: Ich zahle mehr für die Familie, obwohl ich weniger verdiene. Sie weiß aber nicht, ob sie ihr Gefühl trügt. Sie ist Regine. Eine Frau, die im Leben steht, wie das so schön heißt, ihr Ding macht mit Beruf, Kind und Mann. Mit dem Geld aber – da hakt es an einigen Stellen.

Was macht Regine also jetzt?

Klarheit schaffen und Zahlen sprechen lassen!

Doch davor steht vielleicht die größte Hürde: Das Thema ansprechen. Manchmal ist das nicht so einfach, wie es scheint. Ohne geht es aber nicht.

Gerechte Kostenverteilung in der Partnerschaft

Wenn Sie auch in so einer Situation stecken und das Gefühl haben, dass die finanziellen Lasten in der Familie ungleich verteilt sind, legen Sie sich einen Plan zurecht.

Zum Beispiel diesen Plan:

1. Mit dem Partner, der Partnerin reden.

Bennen Sie klar das Gefühl, Ihre Bedenken. Wenn er ausweicht merken Sie an: Vielleicht zahlt ja auch er zuviel? Außerdem: Wozu sind Sie denn zusammen? Weil sie gemeinsam das Leben teilen möchten. Genau!

2. Die Ausgaben für alles Gemeinsame erfassen.

Wie Lebensmittel, Kinderkosten wie Kita-Gebühren, Klamotten, Ausflüge, gemeinsam Essen gehen, Auto etc. Mindestens über 2-3 Monate, besser länger. Dann wird sichtbar, wer was wofür zahlt. Auch die Urlaube zählen dazu.

Jeder führt seine Ausgaben-Liste, für den anderen einsehbar. Die Listen könnten z.B. am Kühlschrank hängen oder im Computer auf einem gemeinsamen Ordner geführt werden.

3. Vergleichen der Ausgaben.

Setzen Sie sich nach jedem Monat zusammen und vergleichen Sie die Ausgaben. Wer hat wieviel ausgegeben? Was kam noch extra für die Familie dazu? Dadurch werden ganz schnell Unwuchten sichtbar. Gefühle werden durch Fakten ersetzt.

Das Gute daran: Wer über Geld miteinander redet, stärkt seine Beziehung. Oder stellt schnell fest, auch das ist möglich, dass vielleicht ein wichtiges Fundament in der Beziehung fehlt: das gemeinsame Wirtschaften, das finanzielle Füreinander-Einstehen, die gegenseitige Teilhabe am eigenen Verdienst und Vermögen.

4. Konsequenzen ziehen.

In der Regel werden die Fakten das Gefühl bestätigen. Einer gibt mehr seines Einkommens für die Familie aus als der oder die andere. In den Fällen, die ich kenne, war es bei getrennten Konten ohne ein gemeinsames Konto immer die Frau. In absoluten Zahlen und auch relativ.

Das heißt: Bei getrennten Konten zahlt oft die Frau in der Summe mehr für die Familie und auch anteilig von ihrem Einkommen.

Das ist immer dann okay, wenn es der einkommensstärkere Partner ist. Wenn aber der einkommensschwächere Partner anteilsmäßig und auch absolut mehr zahlt als der andere, ist es Zeit zu handeln. Denn das ist kein partnerschaftliches Wirtschaften.

Lösung I: ein gemeinsames Konto führen

Beide Partner behalten ihre Konten, auf die das Gehalt geht. Zusammen eröffnen sie ein gemeinsames Konto. Das wird Gemeinschaftskonto genannt oder auch Partnerschaftskonto. Das heißt tatsächlich auch so. Es ist ein normales Girokonto, auf das rechtlich gesehen beide Kontoinhaber’innen gleichberechtigten Zugriff haben.

Ein gemeinsames Konto ist dann die partnerschaftliche Haushaltskasse.  🙂

Achtung!
Eröffnen Sie ein gemeinsames Konto immer als Oder-Konto. Das Gegenteil ist das Und-Konto. Beim Oder-Konto kann der eine, ODER die andere Partnerin über das Geld verfügen. Also getrennt voneinander. Das ist praktischer, weil jeder Geld überweisen und abheben kann, ohne den anderen fragen zu müssen.

Beim Und-Konto ist es anders: Da dürfen Geldgeschäfte nur gemeinsam abgeschlossen werden. Liegt auf der Hand, warum das im Alltag bei der Haushaltskasse Unsinn ist.

Auf das gemeinsame Konto als Oder-Konto zahlen beide Partner’innen dann Geld ein, von dem alles Gemeinsame bezahlt wird. Die Lebensmitteln, das Auto, die Kinder, die Urlaube etc.

Der nächste Schritt:

Wie tatsächlich ein gemeinsames Konto führen?  Wieviel überweist jeder, damit es für beide Seiten fair ist?

Lösung II: Einkommens-anteilige Kostenverteilung

Eine partnerschaftliche Lösung ist die anteilige Verteilung der Kosten nach der Einkommenshöhe. Frei des Mottos: Wer mehr Einkommen erhält, kann auch finanziell mehr in die Beziehung geben. Denn wie wir ja wissen: Die Höhe des Einkommens basiert nicht nur und vor allem auf Qualifikation, Berufserfahrung und Leistungsvermögen. Sondern leider auch immer noch auf Geschlecht, Herkunft, Alter.

Und das geht so, ein Beispiel:

Er  verdient 3.500 € netto im Monat.
Sie verdienet 2.500 € netto im Monat.
Gemeinsam haben sie also 6.000 € im Monat.

Sein prozentualer Einkommensanteil am gemeinsamen Einkommen beträgt 58 %.
Ihr prozentualer Einkommensanteil beträgt 42 %.

Rechnung:
Er:  3.500 € : 6.000 € ≈ 0,58 x 100 = 58 %
Sie: 2.500 € : 6.000 € ≈ 0,42 x 100 = 42 %

Und nach diesen Einkommens-Prozentsätzen werden auch die Kosten verteilt. Der einkommensstärkere trägt einen höheren Anteil.

Vorschlag 1:

Alle Kosten, fix und variabel, sind bekannt und werden anteilsmäßig auf die Partner vereilt.

Beispiel:
5.000 € braucht die Familie im Monat inkl. Urlaubssparen, inklusive Altersvorsorge.
Da sie 42 % vom gemeinsamen Einkommen erwirtschaftet, zahlt sie davon 2.100 €  (5.000 € x 0,42)
Er übernimmt 2.900 €  (5.000 € x 0,58)

Sie behält folglich auf ihrem Konto 400 € und überweist auf ihr gemeinsames Konto 2.100 €; er behält 600 € und überweist auf das gemeinsame Konto 2.900 €.

Vorschlag 2:

Die festen, immer wiederkehrenden Kosten für Wohnung, Auto, Kindergartengebühren, gemeinsame Versicherunten etc. werden ermittelt und nach der Einkommensrelation von den Partnern auf das Gemeinschaftskonto überwiesen. Nehmen wir mal an, es kommen 2.700 € zusammen.

Dann überweist sie auf das gemeinsame Konto 1.134 €, er 1.566 €. Macht 2.700 €.

Und die variablen Kosten teilen sich die Partner je zur Hälfte aber so, dass beide das Gleiche zahlen und nicht einer mehr.

Reden, verhandeln, teilen

Es gibt viele Varianten bei getrennten Konten ein gemeinsames Leben zu finanzieren. Eine ist nicht besser oder schlechter als die andere, solange beide Partner mit der verhandelten (!) Lösung zufrieden sind.

Und das ist der entscheidende Punkt: Egal, wie sie das organisieren, verhandeln Sie es fair miteinander. Jeder hat eigene Vorstellungen, andere Wünsche. Jede Lösung ist individuell.

Sehen Sie es positiv: Gespräche über Geld zeigen die Qualität einer Beziehung. Beim Reden über Geld lernen sie einander (noch) besser kennen. Das ist ein klärender Nebeneffekt.

Wie Sie Gespräche über Geld gut anfangen können, darüber habe ich mit dem Paarberater Michael Mary gesprochen. 

Natürlich geht auch diese Lösung.

Lösung III: All In

Sie hovern nicht mehr anteilig mit ihren Einkommen herum, sondern schmeißen alles in einen gemeinsamen Topf und bezahlen sowohl ihr gemeinsames Leben daraus als auch ihre persönlichen Wünsche und Bedürfnisse.

Oder behalten jeder 500 € für sich auf dem Konto und der Rest geht auf das gemeinsame Konto, von dem alles über Windeln, Altersvorsorge und Kleidung bezahlt wird. Auch denkbar. Auch zeitgemäß.

Alle Varianten sind Verhandlungssache. Der Maßstab für gut oder schlecht ist allein, wie es den Partnern dabei geht.

Einen goldenen Mittelweg oder gar Königsweg gibt es nicht. Wäre ja auch zu schön!


PS: Bei Regine war es in der Tat so: Sie zahlte deutlich mehr als ihr Ehemann. Als er die Summen sah (dazu das aktuelle → Zitat lesen), war es ihm unangenehm. Seither teilen sie die Familien-Ausgaben partnerschaftlicher auf.

Lesenswerte Links

+ Das Haushaltskontenmodell der Beziehungs-Investoren, anschaulich, verständlich, anregend.
+ Die unbedingte Wer-Zahlt-Was-In-Einer-Ehe-Mit-Kindern-Analyse des Finanzwesir. (dauert etwas, bei den 100 Kommentaren … )

 

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Das sagen Sie dazu

Tobias

Hallo, wir sind beide berufstätig und 30 Jahre alt. Meine Freundin verdient knapp 20% weniger als ich, dennoch zahlen wir beide je 50% aller gemeinschaftlichen Kosten.
Wir geben für Miete, Lebensmittel, Urlaubsrücklagen, gemeinsame Aktivitäten monatlich etwa 1.000€ aus. Dementsprechend bleiben uns grob 1.000€ pro Person zur freien Verfügung. (Hiervon sparen wir aktuell die größten Teil in ETFs).
Ein gemeinschaftliches Konto nutzen wir lediglich für Lebensmitteleinkäufe. Hierauf überweisen wir je 130€ monatlich. Für alle anderen unregelmäßigen Ausgaben, wie Restaurantbesuche, haben wir eine Google Drive Tabelle wo wir aufschreiben wer welche ausgaben getätigt hat.
Die Differenz gleichen wir in unregelmäßigen Abständen aus.

    Geldfrau

    Hi Tobias,
    Danke für den Einblick in euer Finanzmanagement. Wäre ich die Freundin, würde ich nachverhandeln bei 50/50 🙂 Gute Idee mit der Google-Tabelle. Und top! Ihr redet über Geld und Aufteilung und organisiert das nach eurem Gusto.
    Daumen hoch!

Liza

Hallo,
Mein Mann und ich haben uns für die anstehende Hochzeit damals ein Gemeinschaftskonto eingerichtet und im Laufe der Jahre immer wieder Ausgaben, die vorher von unseren privaten Konten abgingen, über das Gemeinschaftskonto geregelt. Mein Mann hat vieles davon in die Wege geleitet wie “Natürlich zahlst du dein Jobticket von unserem gemeinsamen Konto. Ich fahre das Auto und bezahle es auch davon”.
Mit der Elterngeld-Frage (2 Jahre Elternzeit, aber nur 1 Jahr Elterngeld) haben wir uns entschieden unser Einkommen auf das gemeinsame Konto überweisen zu lassen und uns “Taschengeld” auf die privaten Konten zu überweisen. Das klappt ganz gut, auch wenn ich mich immer wieder dabei ertappe, Geld für unser Kind von meinem Konto auszugeben. ^^’

    Geldfrau

    Danke Liza für diesen Einblick. Klingt gut, wie ihr das macht. Für meinen Geschmack ein sehr faires Modell für eine Beziehung. Spannend, dass du für euer Kind Ausgaben eher mal von deinem Konto zahlst. Als ob du dich verantwortlicher fühltest … 🙂

Anton

Hallo,
wir haben bisher jeder sein eigenes Konto. Miete, Strom etc. geht von meinem Konto runter. Meine Partnerin überweist mir dann ihren Anteil, den ich prozentual aus den Nettogehältern berechnet habe.
Bei Restaurantbesuchen zahlt jeder seine Rechnung (theoretisch). Praktisch zahlt erst einer alles und der jeweilig Andere überweist dann irgendwann die aufgelaufenen “Rechnung”. Bei Konzertkarten etc. ist das genauso.
Mittlerweile geht uns das aber auf die Nerven mit dem hin- und herüberweisen. Daher habe ich in einem ersten Aufschlag ein Gemeinschaftskonto mir überlegt, wo ich 55% und sie 45% eines noch nicht festgelegten Betrages einzahlt. Das entspricht zwar nicht der Einkommensaufteilung (65/35), aber im Mittel des letzten Jahres war das ungefähr der Anteil, der sich zusammensetzt aus dem was im Restaurant gegessen, an Konzertkarten bezahlt wurde etc. Die Miete, der Strom etc. läuft weiterhin nach der 65/35-Aufteilung.

    Geldfrau

    Hi Anton,
    kann ich gut verstehen, dass euch das auf die Nerven geht, das Hin- und Herüberweisen. Schließlich teilt man ja sein Leben.
    Wird spannend, wie ihr das mit dem Gemeinschaftskonto empfindet. Schätze mal, es wird passen 🙂
    Danke für’s Kommentieren!

Fernando

Hallo, mein Einkommen ist gegenüber meiner Frau sehr hoch da ich sehr viele Überstunde mache.
Reden wir hier vom Grundgehalt oder vom Gesamtgehalt ?

Gibt es dann auch ein Freizeitkonto ??

    Geldfrau

    Moin Fernando,
    ich würde immer das Gesamtgehalt sehen. Wir reden ja hier von Fairness 🙂
    Freizeitkonto … hm, hm. Was soll das sein? Ein gemeinsames für Urlaub und Hobbys zum Beispiel? Oder jeder hat ein eigenes, zusätzliches? Warum nicht? Wenn Kinder mit im Spiel sind würde ich dann jedem Partner den gleichen Betrag aus dieses Freizeitkonto geben.
    Grüße! Dani


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